100 Kenia-Schilling = 0,75 Euro

Der Weg ist noch ziemlich matschig, doch bald erreichen wir die kenianische Polizei und kurz darauf den kenianischen Militärposten. Ein weiteres Stück darauf ist der Weg wieder schlammig, ich entscheide zu spät, neben den Weg auszuweichen und wir bleiben derart kapital im Dreck stecken, dass das linke Vorderrad keinen Bodenkontakt mehr hat. Ich gehe 15 Minuten zurück zum Militärposten und bitte um Hilfe. Doch die haben nur zwei Autos. Eines ist auf der Fahrt nach Lodwar selbst stecken geblieben, das andere ist Wasser holen und soll bald zurückkommen. Ich marschiere also wieder zu unserem Buschtaxi und richtig: Bald kommt ein Militär-LKW, der uns problemlos rauszieht. Die Soldaten empfehlen uns, unbedingt den Weg über Lokitaung zu nehmen, da der besser befahrbar ist. Das stimmt auch, obwohl er deutlich länger ist als jener am Turkanasee entlang. Vor Lokitaung führt der Weg über eine längere Strecke (N4 16.375 E35 49.046 bis N4 15.708 E35 46.519) grandios durch einen Canyon, erstaunlicher Weise halbwegs trocken. Furchterregend aber die Vorstellung, dass uns hier nach einem Regenfall ganzwoanders eine Flut entgegenkommen könnte. Kurz nach Lokitaung müssen wir noch ein Flussbett mit reichlich Fluss queren und bald darauf machen wir Feierabend. Wir wählen unseren Nachtplatz sehr nahe an der Straße, weil wir nicht sicher sind, dass unser Auto morgen anspringt. Wir haben heute alle verzichtbaren Stromverbraucher ausgeschaltet, sind daher ohne Gebläse und somit ohne Klima unterwegs gewesen und haben auch den Kühlschrank ausgeschaltet. Nach Käsekrainer und Pommes sitzen wir bei einem Glas warmen Wein beisammen, das Bier ist schon vor zwei Tagen ausgegangen. Nicht unerwähnt soll bleiben, dass uns auch die Bremse ein wenig Sorgen macht, weil man das Pedal zum Bremsen schon fast bis zur Bodenplatte durchtreten muss. Vielleicht sollten wir doch langsam mal in eine Werkstatt. Km 122/3.002/54.063.

Mittwoch, 9. November 11, Tag 18, Lodwar

Wer denkt, schlimmer kann's nicht werden, der sei an die erste Afrikaregel erinnert, die genau das Gegenteil besagt. Wie so oft im Leben, beginnt der Wahnsinn völlig harmlos. Nach nur einem Stotterer springt unser Auto tatsächlich an. Sehr entspannt fahren wir auf der Rumpelpiste Richtung Lodwar. Einmal geht es  durch ein Gewitter mit heftigem Regen. Unser Scheibenwischer fährt schon bedenklich langsam über die Scheibe. Doch bald klärt es wieder auf, die Staße ist nun sogar asphaltiert und wir sind wieder guten Mutes, zu Mittag in Lodwar zu sein. Sabine liest aus dem Reiseführer vor, dass es im Nature Hotel bemerkenswerte Steaks geben soll. Mit ein wenig Beeilung könnten wir auch vor 12 noch auf eine Bank kommen. Mit den Gedanken mehr bei den Steaks als auf der Straße fahren wir recht flott um eine Kurve, als plötzlich eine überlutete Furt auftaucht. Ich lege eine Vollbremsung hin, indem ich das Bremspedal bis zur Bodenplatte drücke, geht ja seit ein paar Tagen recht leicht. Soll sich bitte jetzt keiner Sorgen machen. Die Bremse hat die letzten Tage immer gut funktioniert, und das tut sie auch diesmal. Wir kommen reichlich vor dem Wasser zu stehen. Das aber fließt ziemlich schnell von links nach recht über die betonierte Furt, aber diese scheint flach, maximal 30 Zentimeter tief. Meine ich. Welcher Teufel mich nun reitet, dass ich da reinfahr, das weiß ich nicht. Aber ich tu's. Allrad rein und durch. Das geht auch bis zur Mitte der Furt gut, nur halt mit der Einschränkung, dass das Wasser nicht 30 Zentimeter tief ist, sondern bis knapp an die Unterkante meines Fensters reicht, und außerdem treibt uns die Strömung erschreckend weit nach rechts an die Kante der Furt, obwohl ich voll nach links steuere. Ich bremse und dann stehen wir mitten im Fluss. Etwa einen knappen Meter von der Kante weg. Wenn es uns dieses Stück weiterspült, kippt das Auto runter von der Furt und auf die Seite. Wir sind heftig in Panik, schließen die Fenster und ich gebe Sabine den Nothammer zum Einschlagen eines Fensters, falls wir kippen und rausmüssen. Auf beiden Ufern stehen plötzlich Leute, die vermutlich meine Torheit beobachtet haben. Einige Männer wagen sich in den Fluss, doch die Strömung ist zu stark. Da taucht nun vor uns ein LKW auf. Die Rettung! Ich schicke Sabine nach hinten um den Bergurt und klettere mit diesem durch mein Fenster auf die Motorhaube. Ich montiere den Gurt am Frontbügel und werfe ihn den Männern im Fluss zu. Nach mehreren Versuchen kriegen die ihn zu fassen, verlieren ihn aber wieder. Sabine sitzt im Auto, ist kreidebleich und weint. Jetzt wagen sich auch von hinten zwei Männer unter Lebensgefahr in den Fluss. Ihnen gelingt es, den Gurt zu fassen und den am Ufer stehenden hinüberzuwerfen. Der LKW-Fahrer bringt sein Fahrzeug näher ans Wasser heran und nennt einen Betrag für die Rettung. Ich sage sofort zu. Leider reicht der Bergegurt nicht ganz. Der Lastwagen müsste noch einen Meter näher fahren, was ganz leicht ginge, aber der Fahrer will nun den fünffachen Betrag. Ich lasse mir von Sabine das Abschleppseil rausreichen und die Männer im Wasser werfen es von Mann zu Mann zum LKW. Der LKW-Fahrer besteht trotzdem auf den fünffachen Betrag. Da ich sehe, dass der Wasserspiegel leicht gesunken ist und ich davon ausgehen muss, dass die Bergung im nächsten Moment das zehnfache kostet, gebe ich, noch immer auf dem Motorhaube sitzend, bekannt, dass ich vorerst gar nichts bezahle, sondern abwarte. Und wirklich: das Wasser geht zurück. Ich hole den Bergegurt wieder ein und klettere wieder ins Auto, um Sabine zu beruhigen. Als der Wasserstand nur mehr vielleicht einen halben Meter beträgt, will der LKW-Fahrer, dass wir die Furt räumen, denn jetzt will er queren. Doch ich schüttle den Kopf. Kommt nicht in Frage. Wenn wir ihm im Weg sind, soll er uns kostenlos rausziehen. Und das macht der Schurke auch. Rührend werden wir am Ufer von Schaulustigen empfangen. Eine junge Frau versichert uns, sie hätte für uns gebetet. Ich gebe den Männern, die für uns ins Wasser gestiegen sind, zum Dank eine angemessene Summe. Das war echt knapp. Ich nehme Sabine in die Arme und entschuldige mich dafür, dass ich sie so leichtsinnig in Gefahr gebracht habe. Nun aber rasch nach Lodwar, denn wir brauchen dringend ein Bier. Doch unmittelbar vor Lodwar ist noch eine Furt, die wir mit flauem Gefühl queren, nachdem wir gesehen haben, dass Fußgänger durchgehen und uns ein Einheimischer versichert hat, dass wir jetzt fahren sollten, weil das Wasser vermutlich steigen wird. Auf einer Bank tauschen wir Geld und suchen dann das für die guten Steaks bekannte Nature Hotel. Das heißt jetzt Lodwar Lodge (N3 6.958 E35 35.718) und ist eine echt üble Lokalität. Auf Sabines Frage nach einem Pepper-Steak sagt die Kellnerin nicht "Gibt es nicht", sondern "Was ist das?" Ich zerkugle mich. Wir bestellen 2 Portionen Huhn mit zweimal Kartoffeln und einmal Reis, kriegen nach gut einer Stunde knapp ein halbes volljähriges Huhn mit Reis und Chabati. Dafür ist das Bier halbwegs kalt. Wir erholen uns langsam von unserem Schock und stoßen auf unseren zweiten Geburtstag an. Da klar ist, dass wir hier nicht übernachten wollen, sehen wir uns auch die gegenüberliegende Turkwell-Lodge an, doch die macht auch keinen besseren Eindruck, weshalb wir zur Naiwotorong-Lodge fahren wollen, die ein wenig außerhalb liegt. Doch nun springt unser Buschtaxi nicht mehr an. Wir gehen zu Fuß zu der Autowerkstätte, die sich zufällig gleich um die Ecke befindet. Der Juniorchef holt Isaac, den findigsten Autoelektriker, der mir jemals untergekommen ist und der am anderen Ende der Stadt gerade an einem LKW arbeitet. Mitten auf der Straße stellt er nur mit einem Prüflämpchen bewaffnet die Diagnose, dass die Lichtmaschine nur "halb" funktioniert. Er baut sie aus, reinigt und trocknet sie und nach nicht einmal einer Stunde ist das Teil wieder funktionstüchtig und eingebaut und die meisten Warnlampen sind erloschen. Während Isaac sich mit der Lichtmaschine beschäftigt hat, hat sich ein anderer Mechaniker der Bremsen angenommen. Er stellt das Bremsseil ein und entlüftet die Bremsleitungen und schon bietet das Bremspedal wieder das gewohnte Feeling. Isaac verlangt für seine Arbeit 1.500 KES (11 EUR), der Bremsenmechaniker 400 (3 EUR). Liebe Grüße an an alle Autowerkstätten in Österreich und anderswo! Nun kaufen wir uns noch einen Modem-Stick für mobiles Internet und fahren in die Naiwotorong-Lodge (N3 06.624 E35 37.282), wo wir nach langem einmal wieder unseren Reisebericht hochladen können. Wir genießen ein Abendessen, das ganz hervorragend ist bis auf den Umstand, dass es schon kalt ist. Leider gibt es kein Bier hier, auch sonst keinen Alkohol, dafür aber Bitter Lemon, das mit dem Gin aus dem Auto fast wie Gin-Tonic schmeckt. Für die Übernachtung bezahlen wir 600 KES (4,50 EUR) plus 200 KES (1,50 EUR) für's Auffüllen unseres Wassertanks. Km 202/3.204/54.264.

Donnerstag, 10. November 11, Tag 19, Lodwar

In der Nacht regnet es schon wieder. Wir müssen die Dachklappe schließen und schwitzen wie die Säue. Wir haben uns ein englisches Frühstück bestellt, sind aber schlecht bei Appetit. Die Idee, östlich des Turkanasees nach Äthiopien zu fahren, begraben wir endgültig mit der Buchung eines Rückfluges von Nairobi. Den Vormittag verbringen wir mit Einkaufen. Das geht recht langsam, weil wir die kürzesten Distanzen mit dem Auto fahren. Denn Lodwar besteht in erster Linie aus riesigen Pfützen. Nun verlassen wir die Stadt und hoppeln auf der echt üblen Straße südwärts. Mehrmals passieren wir wasserführende Furten und vielfach bildet das Wasser beidseits der Straße große Seen. Am späten Nachmittag führt die Straße in ein Gebirge und die Nachtplatzsuche gestaltet sich schwierig. Nach Ortum finden wir dann doch ein Plätzchen direkt an einem Weg, der in die Berge führt. Es kommen natürlich Leute vorbei, die allerdings recht freundlich sind. Die gute Nachricht des Tages: Unser Kühlschrank serviert wieder kaltes Bier! Km 230/3.434/54.494.

Freitag, 11. November 11, Tag 20, Soy

Wieder hat es in der Nacht mehrere Stunden geregnet, außerdem war die Nacht auf fast 2.000 Metern ziemlich kühl. Sehr gemütlich fahren wir nach Kitale. Die Stadt gefällt uns sehr, sie ist übersichtlich und unhektisch. Wir besuchen ein Internet-Cafe, doch leider fällt nach einer halben Stunde der Strom aus. Da es für ein Mittagessen noch zu früh ist, machen wir uns auf den Weg Richtung Eldoret. In Soy suchen wir den Country Club, in dem "noch ein schwacher Abglanz der Kolonialtage" zu finden sein soll, sagt unser Reiseführer. Die Lodge nennt sich nun "Soy Safari Resort" (N0 40.118 E35 09.368) und ist ziemlich heruntergekommen. Wir entschließen uns dennoch, auf der Terrasse mit Blick in einen netten Garten ein Mittagessen einzunehmen. Eine sehr nette Bedienung bringt die Karte, die ein Kilo Ziegenfleisch, ein dreiviertel Kilo Ziegenfleisch, ein halbes Kilo Ziegenfleisch, ein viertel Kilo Ziegenfleisch, ein ganzes Huhn, ein dreiviertel Huhn, ein halbes Huhn und ein viertel Huhn auflistet. Wir entscheiden uns für Huhn und bestellen reichlich Beilagen. Auf die Frage, wie lange es dauern wird, meint die Kellnerin, eineinhalb Stunden, bessert sich dann aber sofort auf eine Stunde aus. Da wir schon sehr hungrig sind, bestellen wir als Vorspeise Bratkartoffeln african style, die schon nach 40 Minuten kommen. Das Huhn dann nach knapp zwei Stunden. Bier gibt es keines, wir dürfen aber unseres aus dem Auto-Kühlschrank trinken. Da nun die Zeit ohnehin schon fortgeschritten ist, beschließen wir, zu bleiben. Camping auf der Wiese kostet 500 KES (3,75 EUR). Am Nachmittag gehen wir zum nahen Wochenmarkt und ich kaufe ein paar Stoffe mit typisch afrikanischem Muster. Am Abend wird es so kalt, dass Anoraks und Haube hervorgekramt werden müssen und wir uns einen Glühwein machen. Dann beginnt es schon wieder zu tröpfeln. Km 133/3.567/54.627.

Samstag, 12. November 11, Tag 21, Lake Naivasha

Über Eldoret und Nakuru geht es nach Naivasha. Die Strecke führt über hübsche Berge, klettert dabei auf über 2.500 Meter Höhe und wir queren wieder den Äquator. Wir übernachten im Crayfish-Camp (S0 49.937 E36 21.074) am Lake Naivasha. Hier kann man Zelte oder auch Zimmer mieten. Es gibt ein Restaurant, eine Bar und eine Disco, die bis 6 Uhr in der Früh offen ist. Es sind sehr viele Leute da, die feiern. Da das Gelände aber sehr groß ist, ist der Lärm auszuhalten. Km 278/3.845/54.905.

Sonntag, 13. November 11, Tag 22, Hell's Gate Nationalpark

Wir wollen uns heute den Hell's Gate Nationalpark (25 USD p.P. + 300 KES =2,25 EUR für's Auto) ansehen, dessen Elsa-Gate (S0 51.144 E36 22.139) ganz nahe liegt. Wir treffen nur sehr wenige Tiere an, der östliche Teil ist mit seinen paar Felstürmen und Aussichtspunkten, die einen Blick über den Naivasha-See bieten, ganz nett, der westliche Teil jedoch eine einzige Enttäuschung: Der halbe Park ist mit Rohrleitungen und geothermischen Kraftwerken total verschandelt, so dass wir den Park bereits zu Mittag wieder verlassen und uns auf den Weg nach Nairobi machen. Wir fahren aus dem Rift-Valley hinauf, genießen den Ausblick und kaufen ein paar Souvenirs. Am Stadtrand von Nairobi lassen wir das Auto waschen, was fast eineinhalb Stunden in Anspruch nimmt, obwohl drei Mann fleißig waschen. Dann geht's ab zur Jungle Junction (S1 17.325 E36 45.635), wo wir uns den Luxus eines Zimmers mit Dusche leisten. Km 173/4.018/55.078.

Montag, 14. November 11, Tag 23, Nairobi

Wir stehen zeitig auf, um vor dem großen Morgenstau im Stadtzentrum zu sein. Im Immigration Office kaufen wir wieder ein Visum und beim Zoll im Times Tower stempelt man problemlos unser Carnet. Damit sind wir wieder legal im Lande. In einer Vertrauen erweckenden Werkstatt lassen wir unser Auto durchchecken, die Lager schmieren und eine Motorwäsche machen. Den Nachmittag verbringen wir lesend auf der Terrasse vor unserem Zimmer. Kurz lugt sogar mal die Sonne hervor. Km 23/4.041/55.101.

Dienstag, 15. November 11, Tag 24, Nairobi-Nationalpark

Nach einem gemütlichen Frühstück im Garten stauen wir uns durch die Stadt zum Main-Gate (S1 20.049 E36 46.776) des Nairobi-Nationalparks (Eintritt 8.600 KES = 65 EUR für 2 Pers. + Auto). Auf dem Parkplatz vor dem Eingang erwarten uns zahme Warzenschweine, die es Sabine angetan haben. Die Besonderheit des Parks ist die Nähe zur Stadt; man beobachtet die Tiere vor dem Hintergrund der Skyline Nairobis. Die Fauna wird von Giraffen, Gazellen und Zebras dominiert. Einmal kriegen wir jedoch zwei Löwen zu sehen, die im Schatten eines nahen Strauches ihr Mittagsschläfchen halten. Km 114/4.132/55.192.

Mittwoch, 16. November 11, Tag 25, Nairobi

Wir verbringen den Tag damit, unser Buschtaxi und dessen Inhalt zu reinigen und Dinge, die wir mit nach Hause nehmen, von jenen zu trennen, die im Auto bleiben. Abends fahren wir noch ins Golden Spur (S1 15.756 E36 48.541) Steaks essen. Obwohl es nicht weit ist, benötigen wir eineinhalb Stunden, weil der Abendverkehr der totale Wahnsinn ist. Die Steaks sind übrigens ausgezeichnet! Km 30/4.162/55.222.

Donnerstag, 17. November 11, Tag 26, Doha

Wir packen unsere Taschen und verabschieden uns von unserem Toyo. Mit Qatar-Airlines geht es nach Doha und nach dreistündigem Aufenthalt ...

Freitag, 18. November 11, Tag 27, Wien

... nach Wien, von wo Susi uns abholt.

Dienstag, 21. Dezember 11

Heute habe ich weinenden Auges und blutenden Herzens unser Buschtaxi verkauft. Wir wünschen dem neuen Besitzer viel Freude damit und unfallfreie Fahrt!

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