Übersicht 13. Etappe

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   Kanada   1 EUR = 1,40 Kanadische Dollar      3,6 Einwohner/km2      Rechtsverkehr      Diesel 0,85-1,15 Euro

Alberta      MESZ -8 Stunden     6,42 Einwohner/km2

Montag, 2. September 19, Tag 1/527, Paris, Calgary

Der Wecker klingelt seehr früh. Johann und Anna bringen uns dankenswerterweise zum Bahnhof. Von Wien fliegen wir via Paris und Calgary nach Edmonton, wo wir in einem Flughafenhotel übernachten. Nach einem wegen der 8-stündigen Zeitverschiebung sehr langen Tag fallen wir müde ins Bett.

Dienstag, 3. September 19, Tag 2/528, Edmonton (930.000 Ew.)

Unser Zimmer entspricht den Vorstellungen von einem 4-Sterne-Hotel: Es ist riesig, das Bad luxuriös. Das Frühstücksbuffet hingegen lässt zu wünschen übrig: Keine Tischtücher, Pappbecher, Pappteller, Plastikbesteck. Ein Fahrer von Mercedes holt uns ab und nach gut einer halben Stunde steht er vor uns: der Zerberus. In voller Pracht. Frisch gewaschen, die Reifen mit Glanzspray besprüht. Wir erhalten noch Anweisungen für das Einfahren des neuen Motors und bezahlen den noch ausständigen Restbetrag (wir mussten ja eine ordentliche Anzahlung für den Motortausch leisten). Dann verstauen wir unser Gepäck und machen einen Großeinkauf an Lebensmitteln und Getränken. Wir wollen noch Nadina und Gord besuchen, die etwa 70 Kilometer außerhalb von Edmonton in einem Wohnwagen wohnen. Leider ist Gord mit seinem Laster unterwegs und kommt erst am Abend. Aber Nadina und die Hunde sind zu Hause. Wir überreichen ein Souvenir aus Österreich und Nadina zeigt uns ihre Handarbeiten. Aber dann müssen wir weiter, die Fähre wartet nicht auf uns. Es ist ein wunderschöner Spätsommertag: 24 Grad, wolkenloser Himmel, erste Laubbäume haben sich verfärbt. Leider fällt dann und wann die Klimaanlage aus, das sollten wir ansehen lassen. Bis zum Abend schaffen wir noch 300 Kilometer. Am Ortsrand von Hinton machen wir eine kleine Wanderung auf Plankenwegen, die über zwei Seen führen. Überall gibt es Biberdämme und -baue, Biber lassen sich jedoch nicht blicken. Im Zentrum von Hinton lädt ein großer Gratisstellplatz zum Übernachten ein: Overnight RV parking welcome. Zum Abendessen brät uns Susi riesige Rindersteaks. Km 303/303/112.908.

Mittwoch, 4. September 19, Tag 3/529, Anxient Forest

Wir klappern in Hinton ein paar Werkstätten ab, könnte ja sein, dass sich ein arbeitsloser Mechaniker auf die Schnelle unsere Klimaanlage ansieht. Dem ist aber nicht so, vor dem späten Nachmittag ist nichts zu machen. Soviel Zeit haben wir aber nicht, denn übermorgen geht unsere Fähre nach Alaska. Die Sonne zeigt sich heute ohnehin nicht und es hat nur 15 bis 17 Grad. Wer braucht da eine Klimaanlage? Weiter westwärts also! Schon von Hinton aus hat man einen schönen Blick auf die Caribou Mountains, die erste Kette der Rocky Mountains, die wir überqueren müssen. Wir fahren noch einmal durch den Jasper Nationalpark, bewundern die türkisen Seen und kriegen einen kapitalen Hirsch vor die Linse. Auf den höchsten Bergen liegt Schnee, in der Ferne erahnt man einen Gletscher. 

British Columbia    MESZ -9 Stunden     5 Einwohner/km2

Etwa hundert Kilometer vor Prince George halten wir am Anxient Forest, einem Regenwald, durch den man schöne, rutschfeste Wege angelegt hat. Unsere kleine Wanderung bringt uns zu riesigen Rotzedern (man stelle sich einen Bindestrich zwischen t und z vor!) mit fünf oder sechs Metern Durchmesser. Die Bäume sollen über tausend Jahre alt sein. Wie es sich für einen richtigen Regenwald gehört, fängt es auch zu schütten an. An mehreren Stellen gibt es Unterstände, unter einem verweilen wir, bis der Regen wieder aufhört. Hier wachsen auch riesige Thujen, von denen wir dachten, dass sie nur in Asien heimisch wären. Wir übernachten zirka 30 Kilometer westlich von Prince George sehr nett an einem See. Ein Lagerfeuer wärmt zumindest unsere Vorderseiten. Km 507/810/113.415.

Donnerstag, 5. September 19, Tag 4/530, Hazelton (270 Ew.)

Weiter geht es auf dem Yellowhead Highway durch die Rocky Mountains. In Smithers befindet sich an der Ecke Main Street/Broadway nicht nur kein mobiler Verkaufsstand namens "Caravan", der, wie unser Reiseführer meint, leckerste Gerichte verkauft, keiner der Einheimischen, die wir fragen, hat auch nur je davon gehört. In Hazelton sehen wir uns die traditionellen Langhäuser an. Sie sind an den Stirnseiten bemalt, haben keine Fenster und wirken im Ensemble mit den davor in einer Reihe aufgestellten riesigen Totempfählen wie in einem Freilichtmuseum künstlich arrangiert. Dem ist aber nicht so, wie gut hundert Jahre alte Fotos im Museum beweisen. In einem der Häuser kann man zusehen, wie ein Totempfahl geschnitzt wird. Diese Kunst wird hier in einer Art Schule weitergegeben. In einer heruntergekommenen Siedlung in Kitangwa gibt es ebenfalls alte Totempfähle zu sehen. Wir fahren den Skeena River entlang, immer wieder hat man Blick auf die Seven Sisters, eine markante Gruppe von teils Gletscher tragenden Bergen. Wir campieren auf einem Platz direkt am Fluss. Km 524/1.334/113.939.

Freitag, 6. September 19, Tag 5/531, Prince Rupert (12.000 Ew.)

In Prince Rupert erreichen wir den Pazifik. Wir haben es geschafft: Wir haben das zweitgrößte Land der Erde und gleichzeitig auch den Kontinent durchquert! In Prince Rupert regnet es 220 Tage im Jahr. Welch Glück, wir haben einen der trockenen Tage erwischt. Wir decken uns noch mit Proviant für die nächsten Tage ein, sehen uns kurz den Ort an, in dem es außer ein paar Totempfählen und Wandgemälden an Gebäuden nichts besonderes gibt. Da wir nichts mehr zu tun haben, checken wir schon am frühen Nachmittag am Hafen ein, obwohl die Fähre erst um 19 Uhr abfährt. Dabei wird die Fahrzeuglänge nachgemessen und siehe da: Unser Zerberus ist um einen Fuß zu lang. Ich hatte bei der Buchung 20 Fuß angegeben, gemessen werden 20,7, die auf 21 aufgerundet werden. Das sollte jetzt kein Problem sein, denn der Preis ist für alle Fahrzeuge bis 25 Fuß ohnehin der gleiche. Doch die Dame am Check-in meint, wenn ich 20 Fuß Platz auf der Fähre gebucht habe, und mit 21 Fuß Länge daherkomme, muss ich nachzahlen. Das ist frech, denn es ist schon erkennbar, dass die Fähre bei weitem nicht halb voll wird. Ich erkläre ihr, dass ich das Reserverad abnehme und nun ist sie zufrieden. Da dem Reservereifen ohnehin die Luft ausgeht, ist das jetzt eine gute Gelegenheit, nach dem Leck zu suchen. Ich montiere das Rad ab und beträufle den Reifen mit Wasser, doch es ist nichts zu finden. Als ich schon aufgeben will, höre ich doch ein leises Pfeifen. Zuerst denke ich, es kommt vom Ventil, doch dann sehe ich, dass daneben aus der Felge Luftblasen austreten. Die Felge ist kaputt. Jetzt kommt plötzlich Bewegung in die wartenden Fahrzeuge, wir fahren vor zur US-Einreisekontrolle. Hier werden uns nicht nur Fingerabdrücke genommen, sondern auch mitgeführte Tomaten und Orangen. Äpfel hingegen dürfen wir behalten. Da wir nun außer Blickweite des Chech-in-Büros sind, montiere ich der Einfachheit halber das Reserverad wieder an die Hecktür. Die "Malaspina" ist eine Fähre in den besten Jahren. Gebaut 1963. Schon bei der Buchung musste man einen Button anklicken, mit dem man akzeptiert, dass der Kahn nicht den neuesten Sicherheitsstandards entspricht. Unsere Kabine ist ziemlich schmuddelig und vieles funktioniert nicht. Das ist in anderen Bereichen des Schiffes nicht besser. Wir verlassen den Fährhafen und passieren einen kleinen Containerhafen, wo Schiffscontainer, vorwiegend aus China, auf die Bahn verladen werden. Mit endlos langen Zügen werden pro Waggon zwei Container übereinander transportiert. Km 193/1.527/114.132.

 

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