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Übersicht 13. Etappe

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The Great Plains

South Dakota   MESZ -7 Stunden

Sonntag, 20. Oktober 19, Tag 49/575, Badlands-Nationalpark

Die Prärie. Unendliche Weiten. Es geht meist gerade und halbwegs eben dahin und das ist gut so, denn wir sind ja noch ohne Turbo unterwegs. Wall ist ein kleiner Ort mit nicht einmal 900 Einwohnern, aber schon hunderte Meilen vorher stehen an der Interstate 90 alle paar Kilometer Schilder, die zum Besuch des Wall Drug einladen. Was immer das sein soll, es wird gratis Eiswasser versprochen und Kaffee um 5 Cent, Breakfast all day, Homemade Donuts, Ice Cream, ein 6 Foot Rabbit, Spaß für die ganze Familie und, und, und. Wall Drug war ein in den 30er-Jahren gegründeter Drugstore, der in dem kleinen Dorf nicht so recht florieren wollte, bis man auf die Idee mit den Schildern am Highway kam und den Autofahrern gratis Eiswasser versprach. Seither ist es eine Institution, eine Legende und natürlich Pflichtstopp, irgendwie ein Mittelding aus Kitsch und Authentizität1. Es ist eine Mischung aus Café, (Souvenir-)Laden, Apotheke, Spielhölle und Museum, sogar eine Kapelle gibt es. Von Cowboystiefeln und Revolvergürtel bis zum Tomahawk gibt es hier alles, was man im Wilden Westen so braucht, aber bis auf den Kaffee um 5 Cent sind die Preise recht stolz. Von Wall geht es in den Badlands-Nationalpark, eine bizarre farblose Landschaft aus erodierten Sandsteinfelsen, von der die Erde im Lauf von Millionen Jahren weggespült wurde, sodass sie für die Landwirtschaft wertlos war, daher der Name. Irgendwann passieren wir die Zeitzonengrenze, die eigenartiger Weise mitten durch South Dakota verläuft. Nun haben wir Central Time und sind nur mehr sieben Stunden hinter der MESZ. Die Fahrt zieht sich heute sehr in die Länge, die Landschaft ist eintönig, es regnet viel und wir fahren nur 70 bis 90. Wir sind froh, als wir spät abends endlich Sioux Falls erreichen, wo wir beim Walmart übernachten. Km 566/15.794/128.400.

 

Montag, 21. Oktober 19, Tag 50/576, Mankato

Es ist noch stockdunkel, als wir um Punkt sieben Uhr bei der Mercedes-Werkstatt in Sioux Falls eintreffen. Nach eineinhalb Stunden ist das Zerberus'sche Elektronikproblem gelöst und wir sind wieder mit Turbo unterwegs.  

Minnesota   MESZ -7 Stunden

Minnesota ist völlig eben, der Highway führt durch riesige Weizen- und Maisfelder. In Winnebago, etwa 50 Kilometer südlich von Mankato, besuchen wir auf dem Rosehill Cemetery das Grab meiner "Tante" Frieda. Sie ist eine Kousine meiner Mutter, hat sich nach dem zweiten Weltkrieg in einen Besatzungssoldaten verliebt und ist mit ihm in die USA gegangen. Sie ist meist einmal jährlich für ein paar Wochen nach Österreich gekommen. Welch Aufregung das immer war, als es hieß, die Tante Frieda kommt! Sie hat uns Kindern exotische amerikanische Süßigkeiten und Spielsachen mitgebracht und auch meine erste Armbanduhr habe ich von ihr bekommen. Mit Nachnamen hieß sie "Loveall". Nomen est omen. Ich habe die "Tante" sehr gemocht und auch meine Frau und meine Tochter waren ihr sehr zugeneigt. Sie war ein lebenslustiger, fröhlicher und unkomplizierter Mensch. Leider ist sie 1994 plötzlich und viel zu früh verstorben. In Mankato sehen wir uns noch an, wo sie gewohnt hat. Dann geht es weiter ostwärts. Wir erreichen den Mississippi, der gerade Hochwasser führt und an dessen Ufer wir entlangfahren. Wir übernachten in Brownsville neben der katholischen Kirche. Km 595/16.389/128.995.

 

Iowa, Wisconsin, Illinois   MESZ -7 Stunden

Dienstag, 22. Oktober 19, Tag 51/577, Effigy Mounds

Auf der Great River Road fahren wir weiter den Mississippi entlang, passieren adrette Orte und haben immer wieder einen schönen Blick auf den Strom mit seinen zahlreichen Inseln. Der Mississippi hat auf seinen fast 2.000 Kilometern bis zu seiner Mündung in New Orleans nur mehr 200 Meter Gefälle! In der Nähe von Marquette sehen wir uns die Effigy Mounds an, das sind mehreretausend Jahre alte Grabhügel, die verstreut in einem Laubwald liegen. Manche sind einfach runde Hügel, andere haben, von oben gesehen, die Form eines Vogels oder eines Bären. Dann geht es hinüber nach Illinois, wo wir gemütlich auf Landstraßen ostwärts fahren. Weil dann aber immer wieder schwer zu überholende, extrabreite landwirtschaftliche Fahrzeuge unterwegs sind, wechseln wir auf die Autobahn und sind abends in einem Vorort von Chicago. Wir parken auf einem Pendlerparkplatz direkt an einer Bahnhaltestelle. Km 503/16.892/129.498.

Mittwoch, 23. Oktober 19, Tag 52/578, Chicago

Mit einem Pendlerzug fahren wir zur Union Station, deren klassizistische Halle eher wie ein Parlamentsgebäude aussieht. Im Stadtzentrum demonstrieren die Lehrer. Viel Polizei ist im Einsatz und den ganzen Vormittag (!) stehen (!) sechs (!) Hubschrauber über der Stadt. Wir sehen uns den Millennium Park an, in dem sich einige Sehenswürdigkeiten befinden, etwa die Buckingham Fountain, einer der größten Springbrunnen weltweit, leider aber schon im Winterschlaf, die Crown Fontain, die Gesichter aus Chicago riesengroß zeigt, den Pritzker Pavillon, eine große Open-Air-Konzertbühne und das Cloud Gate, eine große, bohnenförmige, spiegelnde Skulptur. Im wunderschönen, im Beaux-Arts-Stil errichteten Chicago Cultural Center sehen wir uns eine Ausstellung über Architektur und Raumordnung an und lauschen kurz einem Klavierkonzert. Vorbei am Tribune Tower, einem Wolkenkratzer, in dessen Fassade Steine von anderen berühmten Bauwerken (Cheops-Pyramide, Taj Mahal, Hagia Sophia ...), eingearbeitet wurden, und am Trump-Tower geht es zum Navy Pier, einem Vergnügungsviertel am Lake Michigan. Den krönenden Abschluss bildet ein Drink in der Signatur Lounge im 96. Stock des Wolkenkratzers 360° Chicago. Wir übernachten auf dem Parkplatz einer Cabela's-Filiale, einem großen Outdoor- und Campingausstatter. Km 53/16.945/129.551.

Indiana   MESZ -7 Stunden

Donnerstag, 24. Oktober 19, Tag 53/579, Indiana Amish Country

Leider übernachten bei Cabela's auch Fernlaster. Auch Kühltransporter. Und einer stellt sich in der Nacht genau neben uns. Wegen dem lauten Kühlaggregat schlafen wir schlecht, andererseits bin ich nicht wach genug, um den Zerberus woanders zu parken. Und dann ist noch das Gas aus. Das überrascht uns total, denn die erste Flasche hat 405 Tage, von Österreich bis Australien, gereicht, während wir mit der letzten Füllung keine hundert Tage ausgekommen sind. Nur zur Klarstellung: Wir verwenden Gas ausschließlich zum Kochen. Erfreulicherweise ist bald ein Händler gefunden, der unsere exotische europäische Gasflasche füllt. In der Gegend um Middlebury und Shipshewana leben viele Amische. Diese Menschen bewirtschaften kleine Gehöfte, tragen aus religiösen Gründen recht altmodische bäuerliche Kleidung und lehnen die Verwendung von modernen Maschinen und Geräten ab. Kein Auto, kein Moped, kein Handy, kein Strom. Vor jedem Haus flattert die Wäsche an der Leine, denn es gibt keinen Wäschetrockner. Die Felder werden mit dem Pferd bestellt. Die Amisch-Kinder fahren nicht mit dem Schulbus, sondern mit dem Fahrrad oder werden mit der Kutsche zur Schule gebracht. Die Kutschen haben Kennzeichen wie Autos und schauen ungewöhnlich aus, weil sie rundum geschlossen sind, der Kutscher also nicht im Freien sitzt. Vor den Geschäften gibt es eigene Parkplätze für die Kutschen und Pferdeäpfel zieren die Straßen. Nicht unsympathisch, aber nichts für uns! Wir übernachten in einem Vorort von Dayton neben einer Kirche. Km 450/17.395/130.001.

Ohio, Pennsylvania   MESZ -6 Stunden

Freitag, 25. Oktober 19, Tag 54/580, Kettering, Pittsburgh

Wir haben uns bei meinem Schulkollegen aus dem Gym, Kurt, und seiner Frau Celia zum Frühstück eingeladen, die in Kettering, einem Vorort von Dayton und Schwesternstadt von Steyr, wohnen. Beinahe kommen wir um eine Stunde zu spät, weil wir nur durch Zufall bemerken, dass Ohio schon Eastern Time hat. Leider vergeht die Zeit beim Tratsch recht schnell und die beiden müssen zur Arbeit. Kurt sieht in der schwarzen Uniform eines Gefängniswärters (mit Sheriffstern!) recht beeindruckend aus. Wir fahren heute bis Pittsburgh, wo uns das Navi nervenzehrend umständlich zum Aussichtspunkt auf den Mt. Washington lotst. Hier führt auch eine über 100 Jahre alte Standseilbahn herauf, deren Antrieb man für 50 Cent besichtigen kann. Von einer Terrasse blicken wir auf die an einer Flussmündung gelegene Stadt: die City in der Gabel zwischen den Flüssen, unzählige Brücken, zwei Stadien, die Carnegie Museums, davor ein U-Boot im Fluss. Km 480/17.876/130.481.

1  Das klingt wie aus dem Reiseführer abgekupfert, aber ich schwöre, das ist mir selber eingefallen!

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