Ostanatolien

Nach dem Zigana-Pass hört der Regen auf und südlich des Pontus-Gebirges ist es zwar auch noch bedeckt, aber die Wolkenuntergrenze liegt über 2.500 Meter und nicht mehr fast auf Meeresniveau wie in Trabzon. Wir beschließen daher, nicht wie geplant über den Roten See zurück an die Küste und ins Ayder-Plateau zu fahren, sondern direkt, also weit im Landesinneren, den Berg Ararat anzusteuern. Über einen weiteren, 2.400 Meter hohen Pass gelangen wir auf ein in 1.600 Metern gelegenes Hochplateau, das durch seine karge Landschaft besticht. Km 300/4.701.

Montag, 23. September 13, Tag 14: Erzurum, Kars

In der Früh ist es grauslich kalt und wir heizen erstmals ein. Aber es regnet nicht. Ganzen Tag nicht. Ein paar Schauer ausgenommen. In Erzurum sehen wir uns die Yakutiye-Medrese und die Lala-Mustafa-Pascha-Moschee gleich daneben an. Das Highlight der Stadt ist aber die Doppelminarett-Medrese aus dem 13. Jahrhundert. Leider ist sie wegen Renovierung geschlossen. Doch wir haben Glück: Ein Ingenieur kommt grade zur Arbeit und lässt uns in den Hof. Auch wenn vieles eingerüstet ist, bekommen wir eine Vorstellung von der Koranschule. Nun besichtigen wir noch die Ulu Cami, die älteste Moschee der Stadt. Auch wenn der freundliche Wächter der Moschee kein Wort Deutsch oder Englisch spricht, erhalten wir an Hand einer Zeichnung der Moschee eine eindrucksvolle Führung. Gleich nebenan befinden sich noch drei Mausoleen, denen wir einen kurzen Besuch abstatten. Durch wunderbar eintönige Landschaft geht es weiter nach Kars, das auf einem riesigen Hochplateau auf fast 1.900 Meter liegt. Wir besichtigen die Fethiye-Camii (N40 36.084 E43 5.906), der Bau aus dem 10. Jahrhundert war ursprünglich eine  Kirche, im 17. Jahrhundert eine Moschee, unter den Russen kurz wieder eine Kirche. In Kars ist auffallend viel Polizei unterwegs, wir befinden uns nahe an den Grenzen zu Georgien und Armenien. Entlang der armenischen Grenze fahren wir nun Richtung Südosten. Sehr früh schlagen wir heute unser Nachtlager auf, da sich die Straße nun sehr eng der Grenze nähert. Erstmals läuft heute die Heizung die ganze Nacht. Km 342/5.043.

Dienstag, 24. September 13, Tag 15: Ishak Paşa Serayi

Kurz nach Mitternacht wecken mich heftige Bauchkrämpfe, ich muss raus ins Freie. Oh Gott, ein eiskalter Wind bläst mir um den Po. Schnell wieder rein ins Auto. Das Außenthermometer zeigt 6 Grad. Um 6 Uhr widerholt sich das Erlebnis, dann hat sich mein Bauch wieder beruhigt. Wir fahren nun ganz dicht an der armenischen Grenze entlang nach Süden. Dann taucht der gut 5.100 Meter hohe Berg Ararat auf. Leider ist der Gipfel nur zu erahnen, denn er ist in eine Wolke gehüllt. Hinter dem Ararat liegt nahe der Stadt Doğubayazit ein Highlight unserer Reise, das Ishak Paşa Serayi, ein riesiger Palast wie aus einem orientalischen Märchen, hoch über der Stadt. Unweit gibt es noch eine Moschee und ein Mausoleum zu besichtigen. Hier haben wir den östlichsten Punkt unserer Reise erreicht, wir befinden uns 2.560 Kilometer Luftlinie von zu Hause entfernt. Zeit für die Heimreise! Am Nachmittag erreichen wir den Van-See; wir übernachten in der Nähe von Van auf einer Bergwiese. Km 330/5.373.

Mittwoch, 25. September 13, Tag 16: Van, Ahtamar, Nemrut

Was für ein toller Tag: Gleich drei Highlights erwarten uns heute, dazu gibt es reichlich Sonnenschein. Zunächst besichtigen wir die riesige Burg von Van, die einen tollen Ausblick auf die Reste der Altstadt und den Van-See mit schneebedecktem Dreitausender im Hintergrund bietet. Nach kurzer Fahrt mit Halt am alten Friedhof von Gevaş mit sehr schönen Grabsteinen und Mausoleum besteigen wir ein Boot, das uns zur größten Insel des Van-Sees bringt. Hier sind wir tief beeindruckt von der Heiligkreuzkirche Ahtamar mit ihren herrlichen Reliefen an der Außenfassade, die Szenen aus dem Alten Testament zeigen. Am Nachmittag fahren wir noch zum am Westufer des Van-Sees gelegenen Vulkan Nemrut. Wir haben gelesen, dass ein Weg hinauf und in den Krater hinein führt. Dann sind wir aber echt fassungslos, wird doch gerade eine vierspurige Straße auf den Nemrut gebaut. Zwischen Lastwagen, Baggern, Gradern und Walzen geht es zum tiefsten Punkt der Caldera, von wo man auch in den Krater fahren könnte. Der Blick ist toll, aber wir glauben, dass man vom höchsten Punkt des Kraterrandes einen noch besseren Blick haben müsste. Ging da nicht auf halber Strecke ein Weg weg? Auf einem recht steinigen, in Serpentinen verlaufenden Weg schinden wir den ohnehin schon unter Sauerstoffmangel leidenden Zerberus hoch. Bei der verlassenen Bergstation des Sesselliftes, knapp unter dem Gipfel ist dann Schluss. Die fehlenden paar Höhenmeter legen wir zu Fuß zurück, wobei uns ordentlich der kalte Wind um die Ohren bläst. Vom Gipfel in 2.900 Meter Höhe bietet sich uns ein spektakulärer Blick in den gesamten etwa 8 Kilometer durchmessenden Krater mit seinem See und auf der anderen Seite auf den Van-See. Wir übernachten an der Bergstation. Obwohl unsere Heizung eine eigene Einstellung für Höhen über 2.500 Metern Seehöhe aufweist, lässt sie sich heute lange bitten, bis sie anläuft. Km 183/5.556.

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