Türkische Ägäisküste

Montag, 7. Oktober 13, Tag 28: Golf von Gulluk

Gestern Abend hab ich mich mit einer zusätzlichen Decke zugedeckt, um nicht wieder zu frieren. Aber anfangs war's halt noch nicht so kalt und ich hab' geschwitzt, später aber gefroren und in der Früh fühle ich mich grippig, bin unendlich müde und habe etwas Halsschmerzen. Bis Mittag fahren wir weiter, um dann an einem schönen Strand am Golf von Gulluk (oberhalb von Bodrum), der uns ganz allein gehört (der Strand, nicht der Golf), den Nachmittag zu verbringen. Susi sitzt am Stand um zu lesen, ich lieg im Bett um zu genesen. Am Abend geht's wieder ein Stück weiter, wir fahren bis Ephesos, wo wir am Parkplatz der Ausgrabungsstätte übernachten. Wir wollen morgen in aller Früh die antike Stätte besichtigen, möglichst bevor Dutzende Busse kommen und der Rummel losgeht. Leider habe ich Fieber bekommen und ein Blick in den gar nicht so stark schmerzenden Hals zeigt eine schöne Angina. Hoffentlich hilft das Zeugs aus der Reiseapotheke. Km 291/9.004.

Dienstag, 8. Oktober 13, Tag 29: Ephesos

Ich fühle mich besser, hab auch fast nicht gefroren. Als wir um Punkt acht die antike Stätte Ephesos betreten, sind schon fünf oder sechs Busse da, aber die Leute verteilen sich auf dem großen Gelände. Unter den Reisegruppen befinden sich auffallend viele Griechen. Die Stätte ist echt beeindruckend, besonders gefallen uns die Celsus-Bibliothek, der Hadriantempel und die Kuretenstraße. Einen schönen Eindruck vom Inneren der antiken Wohnhäuser bieten die von österreichischen Firmen überdachten Hanghäuser, für die man zusätzlich zum ohnehin schon hohen Eintrittsgeld (und zur Parkgebühr) nochmals extra bezahlen muss, eine Unanständigkeit, die wir nur aus der Türkei kennen (Hagia Sophia in Istanbul, Schwarze Kirche in Kappadokien). Als wir mit unserer Besichtigung fertig sind, ist schon der Bär los, was die Anzahl der Besucher betrifft. Allein die Busse sind nicht mehr zu zählen. Beide sind wir ziemlich ausgelaugt und verbringen daher den Nachmittag relaxierend am nahen Pumacak-Strand. Wir fahren ein Stück am Sandstrand entlang, müssen dabei aber höllisch aufpassen, dass wir nicht einsanden, denn unser Zerberus ist ja kein Landcruiser. Bald haben wir ein Plätzchen für uns alleine. Am Abend fahren wir noch ein Stück Richtung Izmir, wo wir am Stadtrand in einem Kieferwald übernachten (sagte ich schon einmal, dass es manchmal ein Wahnsinn ist, wieviel Müll rumliegt?). Ich habe wieder Fieber, wir werden auch morgen langsam treten. Km 107/9.111.

Mittwoch, 9. Oktober 13, Tag 30: Izmir

Izmir ist vor lauter Smog kaum zu sehen. Die Drei-Millionen-Stadt liegt in einem Becken, das nur zum Meer hin offen ist, und von da kommt der Wind. Wir finden rasch einen Parkplatz im Zentrum, doch es dauert eine Ewigkeit, bis wir ihn erreichen, da er auf der anderen Seite einer mehrspurigen Straße mit geteilten Fahrbahnen und ohne Möglichkeit zum Wenden liegt. Obwohl ich mich für die Stadtbesichtigung kräftig gedopt habe, schaffe ich nur das kurze Stück zum Konak Meydani, dem hübschen Platz, auf dem sich das Wahrzeichen der Stadt, der Uhrturm Saat Kulesi und eine niedliche Moschee befinden. Dort sitzen wir auf einem Bankerl und sehen den Kindern beim Tauben Füttern zu. Wir fahren noch auf den Kadifekale (N38 24.838 E27 8.840), den Aussichtsberg der Stadt, von dem sich ein bei smogfreiem Wetter spektakulärer Blick über die riesige Stadt erahnen lässt. Bis wir aus der Stadt raus sind, ist es, obwohl es kein nennenswertes Verkehrsproblem gibt, Mittag und bis zum Abend schaffen wir es mit etlichen Pausen bis Troja. Seit langem schon, eigentlich seit dem Autobahnende nach Antalya, fällt uns auf, dass ausgerechnet hier, wo auf Grund des Tourismus viel Verkehr herrscht, der anderswo ausufernde Straßenbauwahnsinn nicht angekommen ist. Zwar gibt es reichlich Baustellen, doch die sind verwaist, oft wächst schon hohes Unkraut durch den glatt gewalzten Unterbau neuer Fahrspuren. Um nicht das Steinhaufensyndrom zu bekommen, fahren wir an Pergamon und Assos vorbei, so wie gestern an Didyma und Milet. Zu diesen Besichtigungen wären wir ohnehin gesundheitlich nicht in der Lage gewesen. Seit dem Nachmittag hat auch Susi Halsschmerzen und fühlt sich krank. Wo die sich wieder angesteckt hat? Wir übernachten am Rande eines Maisfeldes etwa einen Kilometer vom Eingang zu den Ausgrabungen von Troja. Km 357/9.468.

Donnerstag, 10. Oktober 13, Tag 31: Troja

Jeder unserer Reiseführer sagt: Troja ist enttäuschend, wenn man sich nicht ordentlich darauf vorbereitet. So haben wir gestern reichlich über Troja gelesen und wissen, dass hier auf einem Hügel im Lauf der Jahrtausende neun Städte übereinander gebaut und wieder zerstört wurden. Daher ist die Stätte unübersichtlich und schwer zu verstehen. Trotz unserer Vorbereitung sind wir nach unserem Rundgang enttäuscht, denn es gibt außer mickriger Mauerresten nichts zu sehen. Da scheinen uns die Zeichnungen davor, wie der jeweilige Platz einst ausgesehen hat (oder eher haben könnte), purer Hohn. Mit der in Çanaccale schwer zu findenden Fähre (N40 9.058 E26 24.137) geht es in 20 Minuten über die Dardanellen. Europa hat uns wieder. Auf Grund unseres angeschlagenen Gesundheitszustandes ist klar, dass aus den geplanten Badehalbtagen an der griechischen Küste bis Thessaloniki nichts wird. Wir wählen daher den kürzeren Weg über Bulgarien und Rumänien. Vor der Grenze stauen sich in beiden Richtungen jeweils mindestens zehn Kilometer LKW. Haben die Zöllner gestreikt?

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