Übersicht 9. Etappe

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   West-Timor 2   1 EUR = 14.000 Indonesische Rupien      MESZ + 6 Stunden      350 Einwohner/km2      Linksverkehr      Diesel 0,47 EUR, Bio-Diesel 0,36 EUR

Mittwoch 5. April 17, Tag 1/304: München, Amsterdam

Wir danken Wolfgang, der uns zum Zug bringt. Weil Jause besser schmeckt, wenn sie von einem Getränk begleitet ist, es aber strenge Vorschriften für Flüssigkeiten gibt, essen wir noch gemütlich vor der Sicherheitskontrolle am Flughafen München. Dann lassen sie sich aber mit dem Check ziemlich Zeit und bis wir endlich am Gate sind, sind wir schon zweimal mit Namen aufgerufen. Damit uns das in Amsterdam nicht nochmals passiert, gehen wir sofort zum Gate. Hier hat das Boarding noch nicht begonnen, dennoch werden wir namentlich per Lautsprecher zum Schalter gebeten. Dass wir kein Rückflugticket gebucht haben, scheint suspekt. Ich erkläre der Dame, dass wir Indonesien mit dem Auto auf der Straße nach Timor-Leste verlassen werden. Die Lady fragt mich ohne Interesse an unseren Reiseplänen, ob denn Indonesien nicht eine Insel sei. Ich versuche zu erklären, was wir vorhaben, sie schnappt dabei das Wort "ship" auf, und trägt zufrieden in den Computer ein, dass wir per Schiff weiterreisen. 

Donnerstag, 6. April 17, Tag 2/305: Jakarta

Nach einem 14-stündigen Flug, bei dem, dem guten Filmangebot und Benzodiazepinen sei gedankt, die Zeit schneller vergeht, als befürchtet, haben wir vier Stunden Aufenthalt in Jakarta. Wegen der langen Transitzeit werden wir in die Lounge von Garuda Indonesia eingeladen, wo es zwar ziemlich warm ist, dafür gibt es gratis Getränke, Essen und WLAN. Leider sind die Getränke warm und Essen können wir auch nichts, weil uns noch vom fetten Omelett ohne Brot im Flugzeug schlecht ist. Ja und das WLAN funktioniert auch nur zeitweise. Ich stecke meine indonesische SIM-Karte ins Handy und schicke Rob, bei dem wir unser Auto geparkt haben, ein SMS, dass wir morgen den Zerberus abholen kommen. Kurz darauf erhalten wir von Robs Tochter die Mitteilung, dass ihr Vater vor zwei Monaten verstorben sei. Dem Auto ginge es aber gut und morgen Vormittag wäre ok. Na, das ist ja ein ziemlicher Schock. Rob war maximal 55. Mit einer Stunde Verspätung geht es von Jakarta mit einer Zwischenlandung in Surabaya nach Kupang, wo uns ein Fahrer von Michaels Hotel "La Hasienda" abholt. Nach fast 34 Stunden sind wir endlich da. Obwohl es schon 10 Uhr abends ist, kriegen wir noch was zu essen, weil der Koch noch nicht gegangen ist.

Freitag, 7. April 17, Tag 3/306: Kupang

Michael fährt uns persönlich zum Zerberus, der auf den ersten Blick ganz zufrieden dreinschaut. Bei näherem Hinsehen bemerken wir aber, dass er sich einen Pilz eingefangen hat. Und was für einen: Fahrer- und Beifahrersitz sind schimmlig, auch das Lenkrad, und das Schlimmste: meine Schlapfen sind vor lauter Schimmel nicht wieder zu erkennen. Sogar ein Kochtopf ist am Plastikgriff schimmlig und die ganz sicher gründlich geputzte Glasplatte über der Spüle auch. Wenigstens das Bett scheint schimmelfrei. Dafür führt eine lange Straße winziger Ameisen quer durchs Auto, nicht zu erkennen, wo sie anfängt, aber enden tut sie in meinem Pyjama. Um Missverständnissen vorzubeugen: Auch der ist gewaschen und war seit Tibet nicht in Verwendung. Von Robs Sohn, der nun kommt, erfahren wir, dass Rob mit 56 Jahren vermutlich an einem Herzinfarkt unter der Dusche verstorben ist. Er war alleine zu Hause und keiner konnte ihm helfen. Wir sprechen unser Mitgefühl aus und bezahlen den mit Rob vereinbarten Preis für's Parken. Auf dem Rückweg zum Hotel vergesse ich mal kurz, dass ich links fahren sollte. Es fällt mir sofort wieder ein, als ein Mopedfahrer von mir aus gesehen nach rechts ausweicht, obwohl ich ihm links voll viel Platz lasse. Im Hypermarket kaufen wir noch Getränke und jede Menge Putzmittel. Den Nachmmittag verbringen wir gemütlich mit dem Auspacken unserer Reisetaschen. Wir schwitzen wie irre, dazwischen regnet es zweimal. Weil uns trotz Insektenschutzmittel reichlich Mücken stechen, beginnen wir mit der Malariaprophylaxe. Immerhin befinden wir uns in jenem Eck der Welt mit dem höchsten Malariarisiko. Km 15/15/62.389.

Samstag, 8. April 17, Tag 4/307: Timor##

Die 400 Kilometer bis Dili schafft man angeblich in zehn bis zwölf Stunden. Wenn man zwei Stunden an der Grenze annimmt, sollte man zeitlich in der Früh starten. Wir stehen um vier auf (autsch) und fahren um fünf. Da ist es eine halbe Stunde noch stockdunkel, aber es sind schon alle denkbaren Fahrzeuge, Tiere und Menschen einschließlich kleinen Kindern auf der Straße. Außerhalb von Kupang wird es besser und als um halb acht die Sonne so hoch steht, dass sie nicht mehr blendet, kann ich entspannt fahren. Die Straße führt von Kupang aus zunächst auf gut 800 Meter, von hier bietet sich ein herrlicher Blick auf die teils im Nebel liegenden Wälder der Tiefebene. Die Route verläuft nun durch das zentrale Hochland von Timor in 700-900 Metern Höhe bergauf- und ab. Bis auf ein paar meist kaum abgesicherte Stellen, an denen die Straße teilweise abgerutscht ist, ist der Straßenzustand recht annehmbar, aber durch die vielen Kurven sind wir zu Mittag noch weit weg von der Grenze. Kurz vor dieser queren wir einen Pass und haben einen wunderschönen Blick auf die Bandasee. Nach siebeneinhalb Stunden sind wir an der Grenze. Die Indonesier haben hier ein völlig überdimensioniertes modernes Abfertigungsgebäude gebaut. Der Beamte an der Autospur stempelt nicht unsere beiden Pässe ab, sondern nur meinen, Susi muss zu Fuß durch das Gebäude, dort ihren Pass stempeln lassen und kann drüben wieder einsteigen. Das Zollbüro müssen wir uns suchen, damit wir unser Carnet abgestempelt kriegen. Der Zöllner dort schaut sehr genau, ihm fällt bald auf, dass das Carnet abgelaufen ist. Ich gebe ihm das Folgecarnet, mit dem er zunächst zufrieden ist, dann aber beanstandet, dass die Motornummer nicht mit dem ersten Carnet ident ist. Der ADAC hat da einen Extrabuchstaben hineingeschummelt. Fehler passieren, da kann man halt nichts machen, sage ich ihm. Und irgendwie versteht er's und stempelt nun auch das neue Carnet aus. Die Grenzstation von Timor-Leste ist weniger modern, aber es geht alles halbwegs rasch und völlig unkompliziert von statten. Weil ich einmal irgendwo gelesen habe, es ginge einfacher und billiger ab, wenn man das Carnet stempeln lässt, biete ich es dem Zöllner an, doch der will es gar nicht. Die ausgefüllte Zollerklärung, die er nicht einmal ansieht, sondern in eine Schachtel wirft, reicht ihm. Die Abfertigung auf beiden Seiten dauert insgesamt etwa eine Stunde, wir müssen nichts bezahlen, nicht einmal einen Blick in's Auto will jemand machen. Die paar tausend Rupien, die wir noch haben, können wir an der Grenze nicht wechseln.

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