Zurück zu Islands Süden

Übersicht 15. Etappe

Weiter zu Islands Nordwesten

   Island: Reykjavik und Umgebung

Mittwoch, 14. Juli 21, Tag 14: Hveragerði

In Island gehört Nieselregen zum Schönwetter. Doch auch unter diesem Aspekt ist das Wetter heute schlecht. Es regnet den ganzen Tag, zudem ist es sehr windig. Trotzdem umrunden wir zu Fuß den kleinen Vulkan Kerið und sehen uns den leider ziemlich ungepflegten Geothermalpark in Hveragerði an. Zu einem Besuch des Natur-Thermalbades Reykjadalur hingegen können wir uns nicht entschließen, da es nur durch einen drei Kilometer langen Fußweg erreichbar ist. Wir fahren nun auf die Halbinsel Reykjanes südlich von Reykjavik. Da sie vulkanischen Ursprungs ist, führt unsere Route großteils durch übermooste Lavafelder. Dann und wann taucht ein grüner See auf. Wir halten kurz in bei den Vogelklippen von Krysuvikurberg und am Geothermalfeld Seltún, wo das Wasser in den Pfützen siedet und es aus dem Boden dampft. Besonders gefällt uns die Landschaft entlang der unbefestigten und über weite Abschnitte durch schwarze Vulkanasche führenden Straße 428. Ganz in der Nähe befindet sich der Vulkan Fagradalsfjall, der vor vier Monaten nach 800-jähriger Pause ausgebrochen ist. Ihm wollen wir morgen einen Besuch abstatten. Zuvor nächtigen wir auf dem Campingplatz in Grindavík. Während wir zu Abend essen, beobachten wir mitfühlend, wie sich neben uns vier junge Leute bemühen, in Wind und Regen ihre zwei Zelte vermutlich erstmals aufzustellen. Nach gut einer halben Stunde packen sie wieder alles ein und fahren weg, wahrscheinlich um sich ein Zimmer zu nehmen. Km 240/1.275/3.202.

Donnerstag, 15. Juli 21, Tag 15: Halbinsel Reykjanes

Was macht ein Grundstücksbesitzer in Island, wenn auf seinem Boden ein Vulkan ausbricht? Er stellt Parkautomaten, ein paar Toiletten und eine fahrbare Imbissstube auf. Bei geschätzten 1.000 Fahrzeugen täglich á 7 Euro Parkgebühr verdient der sich ein Vermögen. Dazu kommen noch die Landegebühren, die er von jedem Hubschrauber kassiert, der neben dem Vulkan landet. Der Fagradalsfjall ist im März ausgebrochen und noch immer fließt an verschiedenen Stellen Lava. Vom Parkplatz geht man etwa eine halbe Stunde, bis man an eine Stelle kommt, an der der Lavafluss ein Ende gefunden hat. Die Lava ist bereits soweit erkaltet, dass man drauf gehen kann, aber man bekommt noch heiße Füße und dort und da kommt noch eine Dampffontäne raus. Glut gibt es leider heute nicht zu sehen, vorgestern haben Leute noch "rote" Fotos gepostet. Vielleicht sehen wir ja am Nachmittag mehr. Denn obwohl Hubschrauberflüge über den Fagradalsfjall über Wochen (!) ausgebucht sind, haben wir dennoch für heute Nachmittag zwei Restplätze ergattert. Es ist sehr stürmisch und die Wolken hängen tief, so dass wir uns fragen, ob wir da überhaupt etwas sehen werden. Wir setzen derweil unsere Runde über die Halbinsel Reykjanes fort, besuchen das ausgedehnte Geothermalfeld Gunnuhver, wo mittels Dampfturbinen Strom erzeugt wird, die Leuchttürme Reykjanesviti und Garðskagi und die einsame Kirche Hvalsnes. In Keflavík statten wir der Riesin in ihrer Höhle einen Besuch ab, in der sich auch ein Baum befindet, der zunächst wie ein Christbaum aussieht, bei näherer Betrachtung erkennt man allerdings, dass er mit hunderten Babyschnullern behängt ist. Anscheinend werden hier Kleinkinder ihrer Schnuller entwöhnt. Wir sind Reykjavik schon nahe, als unser Hubschrauberflug telefonisch abgesagt wird. Der Wind ist zu heftig. Schade! Wir sehen uns noch das naturhistorische Museum in Kópavogur und die wie ein Space Shuttle aussehende Hallgrimskirche in Reykjavik an, bevor wir uns zum Campingplatz begeben. Hier steht der Zerberus dicht gedrängt mit hunderten anderen Fahrzeugen! Km 150/1.425/3.352.

Freitag, 16. Juli 21, Tag 16: Reykjavik, nördlichste Hauptstadt der Welt

Reykjaviks Charme, so es den überhaupt gibt, erschließt sich uns nicht, vielleicht spielt auch das trübe Wetter eine Rolle. Die Stadt ist farblos, fad, es sind nur wenige Menschen unterwegs. Es gibt kein Verkehrsproblem, überall stehen reichlich (gebührenpflichtige) Parkplätze zur Verfügung. Alle paar Meter stehen Mietroller und -fahrräder herum und die Leute, die sie benützen, fahren damit überall. Es gibt enorm viele Baustellen. Das architektonisch vielgerühmte Konzerthaus Harpa ist ein unansehnlicher dunkler Würfel. Wir spazieren auf von Enten verkackten Wegen um den Tjörnin, den See der Stadt, an dem das hässliche Rathaus, die Freikirche und die Nationalgalerie liegen. Selbst die Altstadt ist charmelos, lediglich Domkirche und Althingi, das kleine Parlament, sind einen Blick wert. Es gibt auffallend viele moderne Skulpturen, bekannt ist die "Sonnenfahrt" an der Strandpromenade. Den Nachmittag verbringen wir im zirka 50 Kilometer nordöstlich von Reykjavik gelegenen Thingvellir. Das ist einerseits eine historische Stätte, denn hier tagte schon im 10. Jahrhundert das Parlament der Wikinger. Es gibt aber keine Bauwerke aus dieser Zeit, das Parlament tagte nur einmal im Jahr in Zelten, und außer dem Löberg, dem Gesetzesfelsen, erinnert hier nichts mehr an diese alte Demokratie. Bemerkenswert ist der Ort vor allem aus geologischer Sicht, denn hier verläuft der nordatlantische Grabenbruch, die Spalte zwischen amerikanischer und eurasischer Kontinentalplatte. Ein kleinerer, westlicher Teil Islands gehört geologisch zu Amerika. Die Kontinente driften hier ein bis zwei Zentimeter jährlich auseinander, wodurch sich im Lauf der Jahrhunderttausende ein breites Tal gebildet hat, dessen Ränder von Spalten durchzogen sind, die hier eindrucksvoll zu sehen sind. Auf der Piste 550 geht es durch ausgedehnte Lavafelder, bis wir über einen 730 Meter hohen Pass ins Kaldidalur-Tal gelangen, das Islands zweitgrößten Gletscher, den Langjökull, entwässert. Nur wenige Fahrzeuge sind hier unterwegs, auch zwei Radfahrer versuchen ihr Glück. Wir campieren in einer wunderschönen Wüstenlandschaft neben der Piste. Km 129/1.554/3.481.

   

 

Zurück zu Islands Süden

Übersicht 15. Etappe

Weiter zu Islands Nordwesten