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Übersicht 15. Etappe

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   Island: Der Nordwesten

Samstag, 17. Juli 21, Tag 17: Langjökull

Die Nacht ist sehr kalt und ich brauche eine dritte Decke. Aber unglaublich: In der Früh scheint die Sonne und es wird ein warmer Tag! Wir haben beste Sicht auf die umliegenden Berge, die Gletscherhaube des Langjökull leuchtet weiß und durch das Fernglas kann man erkennen, dass Raupenfahrzeuge auf dem Gletscher unterwegs sind. Über eine holprige Piste fahren wir an den Gletscher heran, wir passieren Markierungen, die zeigen, wie weit das Eis 1940, 1960 und 2000 reichte und schließlich, auf 770 Metern, berühren unsere Vorderräder das Eis. Hier ist leider Schluss für uns, der Gletscherpiste ist der Zerberus nicht gewachsen. Wir genießen die Aussicht, machen Fotos und werfen ein paar Schneebälle. Unser nächstes Ziel ist Húsafell, wo wir uns die bekannten Wasserfälle ansehen. Sie sind insofern bemerkenswert, als sie, einer neben dem anderen, von der Seite in einen Fluss stürzen. Unsere Mittagsrast dehnen wir heute bis weit in den Nachmittag aus, weil es in der Sonne so warm und gemütlich ist. Über den Borgarfjord fahren wir noch auf die Halbinsel Snæfellsnes, wo wir uns die Basaltsäulen des Gerðuberg ansehen und auf einem Rastplatz nächtigen. Km 168/1.722/3.649.

 

Sonntag, 18. Juli 21, Tag 18: Halbinsel Snæfellsnes

Wieder ist es feucht und düster. Wir sehen uns die kleine Kirche in Búðir an und ich spaziere durch alte, von reichlich Moos, Blumen und Farnen überwachsene Lavafelder zu den Roten Stränden. In Arnarstapi, wo auch ein riesiger aus Steinplatten errichteter Troll steht, beobachten wir Eissturmvögel auf den Klippen. An der Westküste der Halbinsel Snæfellsnes besteige ich den kleinen Vulkan Saxhöll, von wo ich ein paar hübsche Lavasteine mitnehme. An den Klippen beim Leuchtturm Svörtuloft an der Nordwest-Spitze der Halbinsel nistet eine große Kolonie Lummen. Die Vögel sitzen auf Eiern, die sie nicht in ein Nest, sondern direkt auf den Fels gelegt haben. Nur ein paar Kilometer weiter liegt in einer kleinen Bucht ein herrlicher goldgelber Sandstrand. Ich wage ein Bad, aber das Vergnügen ist bei 10 Grad Wasser- und 12 Grad Lufttemperatur nur kurz. Als wir nun die Nordküste Snæfellsnes' entlangfahren, wird ganz plötzlich das Wetter besser. Anscheinend ist das Gebirge mit dem Gletscher Snæfellsjökull eine Wetterscheide, immer wieder sehen wir, wie Wolken über die Berge schwappen. Und als wir die nicht weit entfernte, etwas abgelegene Kirche Ingjaldshöll erreichen, die fotogen vor dem Gletscher thront, ist herrlichster Sonnenschein. Wir halten kurz an Islands meistfotografiertem Berg, dem markant geformten Kirkjufell und machen einen Abstecher nach Stykkishólmur, der größten Siedlung der Halbinsel, wo wir am Hafen sehr gut Fisch essen. Leider müssen wir noch ziemlich weit fahren, bis wir einen brauchbaren Nachtplatz finden. Wir campieren dann unweit der Straße direkt an einem Fluss. Km 256/1.978/3.905.

Montag, 19. Juli 21, Tag 19: Westfjorde

Wir queren den Gilsfjord auf einem Damm und halten nach Seeadlern Ausschau, die es hier geben soll, doch die scheinen ausgeflogen zu sein. Es geht nun die Südküste der Westfjorde entlang, manchmal gibt es eine Abkürzung über die Berge, aber meist müssen wir die Buchten langwierig ausfahren. Ein längerer Abschnitt ist nicht asphaltiert und zeitweise rüttelt es wie auf einem Waschbrett. Seit ein paar Tagen schon habe ich juckende Wimmerl an mehreren Stellen, es ist offensichtlich, dass es Zerkarien sind, die ich mir neulich während meines Bades in der Thermalquelle Seljavallalaug geholt habe. Da ein weiteres bekanntes Thermalbad auf unserer heutigen Strecke liegt, muss ich mir überlegen, ob ich nochmals baden gehe. Das Naturbecken liegt nur wenige Schritte vom Meer entfernt und bietet etwa zehn Leuten Platz. Das Wasser hat konstant 38 Grad, ist viel klarer als jenes von neulich und es sind auch Einheimische da, die sehr häufig hier baden und sagen, das Wasser sei sicher. Also nichts wie rein! Nach zehn oder 15 Minuten bin ich überhitzt und kühle mich, dem Beispiel der Einheimischen folgend, im Meer ab. Dann aber ganz schnell wieder ins Becken! Hochwürden Sebastian hätte seine Freude mit mir. Wir passieren das Wrack der Garðar, einem Fischkutter, der hier nicht wie man vermuten würde, auf Grund gelaufen ist, sondern vor 40 Jahren zum Verrosten an den Strand gezogen und so entsorgt wurde. Über einen Pass geht es nach Rauðasandur, wo "in Schattierungen von Rosa und Rot der atemberaubende Strand an einer großen, azurblauen Lagune" auf uns wartet. Doch leider nur theoretisch. In der Praxis ist es nämlich so, dass es jenseits des Passes so neblig ist, dass man kaum irgendetwas erkennen kann. Wir flüchten uns wieder zurück auf die andere Seite der Halbinsel und werden bald von der großen Sandstrandbucht Breiðavík entschädigt. Wir steuern nun Bjargtangar an, den westlichsten Punkt Islands und auch Europas. Hier verrichtet ein kleiner, unspektakulärer Leuchtturm seinen Dienst. Spektakulär hingegen ist die Ornithologie in den Klippen daneben. Zwar ist es wegen Nebel, Wind und Regen etwas ungemütlich, doch wir machen trotzdem einen ausgedehnten Spaziergang, um all die Möwen, Brachvögel, Lummen und Papageientaucher, die übrigens zusammen einen Riesenkrach machen, zu beobachten. Dabei kommen wir Papageientauchern fast zum Greifen nahe. Wir übernachten wieder ein Stück landeinwärts in den Bergen mit schönem Blick auf die Küste. Bald gesellt sich ein junges Pärchen mit Baby in einem Caddy mit Dachzelt zu uns. Weil es stürmt und sehr kalt ist, schlafen die drei im Fahrzeug. Km 325/2.303/4.230. 

 

Dienstag, 20. Juli 21, Tag 20: Westfjorde

Der Weg ist das Ziel heute. Auf unserer Fahrt durch die südwestlichen Halbinseln der Westfjorde gibt es nicht allzu viele Sehenswürdigkeiten. Von Landschaft natürlich abgesehen. Zweimal baden wir in heißen Quellen. In Reykjafjarðarlaug ist's mit 46 Grad ziemlich warm! Nach längerer Fahrerei erreichen wir Dynjandi, Islands größten Wasserfall mit einhundert Metern Höhe und 60 Metern Breite. Obwohl der Fluss, der unten wegläuft, eher bescheiden ist, ist der Wasserfall doch sehr imposant. Durch zwei lange Tunnel, einer davon einspurig mit Ausweichen, gelangen wir nach Ísafjörður, einer sympathischen Hafenstadt am gleichnamigen Fjord. Mit 20 Grad ist es sommerlich warm und wir spazieren durch die Altstadt, in der viele der bunten Häuser Jahreszahlen um 1870 tragen. Nun müssen wir sechs zehn bis 20 Kilometer tiefe Fjorde ausfahren (im siebenten haben sie eine Brücke gebaut), ziemlich viel Fahrerei ohne dass man weiterkommt. Es wird sehr stürmisch, beim Reinfahren in die Fjorde habe ich wegen starkem Gegenwind Schwierigkeiten, die Spur zu halten. Wir übernachten im Mjoifjord auf einer ebenen Fläche zwischen Straße und Meer, auf der schon ein Schweizer Paar mit Wohnmobil steht. Der Sturm lässt die ganze Nacht nicht nach. Km 359/2.662/4.588.

 

 

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