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Übersicht 9. Etappe

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Alice Springs und Umgebung

Mittwoch, 17. Mai 17, Tag 43/346: Tennant Creek

Auf über 500 Kilometern durch das Outback ändert sich die Landschaft wenig: Es ist flach, der Highway meist schnurgerade, beidseits der Straße Busch, anfangs noch mehr Bäume, später weniger und niedrigere, dafür mehr trockenes Savannengras. Nur wenige Ortschaften, einige Raststätten und etliche Parkplätze bieten Abwechslung. In Larrimah, einem Ort mit 18 Einwohnern, halten wir kurz am etwas herunter gekommenen Pink Panther Hotel, wo Paulchen im Garten bei einem Bier sitzt. In Daly Waters (25 Einwohner) trinken wir im gleichnamigen Pub einen Kaffee. Vor dem Lokal zeigt Australiens abgelegenste Verkehrsampel ständig rot. Der Pub ist mit Visitenkarten, Aufklebern, Geldscheinen und Münzen aus aller Welt, ja sogar Ausweisen und Autokennzeichen etc. dekoriert. Kaum mehr eine Stelle an den Wänden oder am Mobilar ist frei. Unzählige Besucher haben Flip-Flops, Kappen, T-Shirts und BHs hier gelassen, die von der Decke baumeln. Newcastle Waters wird der Bezeichnung "Geisterstadt" überhaupt nicht gerecht. Nur zwei Gebäude aus den 30er-Jahren, ein Laden und ein Hotel, stehen als Blechruinen da. Das reicht nicht für "Stadt". Und gleich nebenan sind Häuser bewohnt, da passt "Geister" keinesfalls. Immer wieder hat man Termitenhügeln neben dem Highway T-Shirts, Jacken oder BHs angezogen. Kurz vor Tennant Creek gibt es eine alte Telegraphenstation zu sehen, ein paar Kilometer abseits befindet sich eine den Aborigines heilige Dreaming-Stätte, eine Ansammlung runder Granitsteine. Wir übernachten gleich nach Tennant Creek neben dem Highway. Die Abende werden jetzt zunehmend kühler, gleich nach Sonnenuntergang braucht es lange Hose und Weste. Dafür gibt es keine Stechmücken mehr. Anderes lichtaffines Zeugs schon und das reichlich. Km 565/2.620/65.010.

 

Donnerstag, 18. Mai 17, Tag 44/347: Alice Springs

Etwa hundert Kilometer südlich von Tennant Creek befinden sich die Devil's Marbles, wie riesige Kieselsteine, teils übereinander liegende, runde Granitfelsen, in der Mythologie der Aborigines Eier der Regenbogenschlange. Ein sehr stimmungsvoller Ort. Auf den weiteren gut 400 Kilometern bis Alice Springs gibt es wenig Abwechslung. Im Wycliffe Roadhouse, vor dem regelmäßig UFO's landen, trinken wir einen Kaffee und "bewundern" die Aliens-Ausstellung. In Barrow Creek gibt es wieder einen Pub mit tausenden Widmungen und vermutlich ähnlich vielen Visitenkarten von Gästen an den Wänden. In Aileron steht auf einem Hügel ein riesiger Aborigine aus Metall, bewaffnet mit einem Speer, und am Fuß des Hügels kämpft seine Frau, ihr Kind schützend, mit einem Krokodil. Wir passieren den Wendekreis und kurz darauf sind wir in Alice Springs, Es ist schon spät; die Zeit reicht gerade für einen Besuch beim Reifenhändler (vergeblich), einen Einkauf und für's Tanken. Bis zum Einbruchh der Dunkelheit schaffen wir es gerade noch bis zum Simpsons Gap, zehn Kilometer außerhalb, wo wir auf dem Parkplatz übernachten. Hier im Red Center Australiens ist es etwa zehn Grad kühler als im Norden: Höchsttemperaturen 24, zum Abendessen holen wir die Anoraks hervor. Kein Scherz! Km 541/3.161/65.551.

Freitag, 19. Mai 17, Tag 45/348: West MacDonnel Ranges

Östlich und westlich von Alice Springs liegen die MacDonnel Ranges, ein etwa 400 Kilometer langes Gebirge, dessen westlicher Teil vom Namatjira-Drive erschlossen ist. Von ihm gehen Stichstraßen zu teils spektakulären Schluchten ab. Die erste davon ist Simpsons Gap, die wir uns gleich in der Früh ansehen. Man kann die Schlucht nicht durchqueren, der Weg endet an einem Tümpel. Die nächste Schlucht, Standley Chasm besticht durch glatte, fast senkrechte und bis zu 80 Meter hohe Wände. 45 Kilometer weiter liegt Ellery Creek, ein wirklich stimmungsvoller Ort. Obwohl wir hier nicht alleine sind, ist es so still, dass man sich kaum reden traut. Das Wasserloch wird vom Reiseführer als eiskalt beschrieben. Das ist zwar nicht ganz zutreffend, aber länger als eine kurze Runde schwimmen ist nicht drin. Ein Stück nach der unspektakulären Serpintine Gorge liegen die Ochre Pits, farbige Felsen am Rand eines ausgetrockneten Flusslaufes, die den Aborigines als Quelle für die Farben dienten, mit denen sie ihre Körper bemalten. Eine sehr schöne, von Eukalyptusbäumen bestandene Schlucht ist die Ormiston Gorge, wo es schon sehr kühl ist. Zwei oder drei Kilometer nach der Glen Helen Gorge erreichen wir einen Aussichtshügel, von dem wir einen tollen Blick auf den Mt. Sonder und die vor ihm liegende Ebene haben, ein 1a-Nachtplatz. Im Busch auf der Ebene unter uns campieren etliche Leute im Wohnmobil oder Wohnwagen. Als es dämmert, sind einige Lagerfeuer zu sehen. Man hört sogar eine Motorsäge, mit der jemand Brennholz macht. Unglaublich, was Leute zum Camping mitnehmen! Km 166/3.327/65.717.

 

Samstag, 20. Mai 17, Tag 46/349: Kings Canyon

Bei acht Grad findet das Frühstück im Auto statt. Plus immerhin! Via Tyler's Pass queren wir die West MacDonnel Ranges und treffen auf den südlich parallel verlaufenden Larapinta Drive. Vom 800 Meter hohen Pass haben wir einen schönen Blick auf die Gosse Bluff, ein rundes Gebirge, das durch einen Kometeneinschlag entstanden ist. Vom Larapinta Drive gibt es eine Abkürzung zum Uluru (Ayer's Rock), die sich Mereenie Loop nennt. Die Strecke ist an und für sich gut ausgebaut, aber auf 140 Kilometern nicht asphaltiert. Wenn man recht langsam fährt, wird das Auto vom Wellblech übel durchgeschüttelt. Bei 80 km/h wird das Rütteln weniger, bei 100 hört es auf. So kommen wir Auto schonend und schnell voran. Wenn wir allerdings vor Kurven die Geschwindigkeit reduziere müssen, glauben wir, der Zerberus zerfällt in Einzelteile. Doch dann ist es geschafft: Die Asphaltstraße beim Kings Canyon ist erreicht. Der Canyon soll zu den phantastischten Sehenswürdigkeiten Zentralaustraliens gehören, doch wir sind zunächst schwer enttäuscht: Seit einem Felssturz vor ein paar Jahren ist der letzte Abschnitt des Weges in den Canyon gesperrt und man sieht eigentlich gar nichts. Ich lasse Susi beim Auto, um den mit 3-4 Stunden angegebenen Rim Walk zu gehen, der zunächst steil auf die Kante des Canyons hinauf und dann dem oberen Schluchtrand entlang führt, von wo sich immer wieder spektakuläre Ausblicke in den Canyon bieten. Als Alpenländer bin ich natürlich viel flotter unterwegs als die australischen Wanderer und so bin ich bereits nach knapp eineinhalb Stunden und gerade rechtzeitig zum Kaffee zurück. Wir fahren nun weiter nach Süden und irgendwann, völlig unerwartet ist er dann da: Der Uluru. Zuindest glauben wir das für eine Weile. In Wirklichkeit ist es der am meisten versehentlich fotografierte Berg der Welt, der Mount Conner. Wir finden einen Nachtplatz, wo wir in der Abendsonne den Blick auf ihn genießen. Nach dem Abendessen sitzen wir am Lagerfeuer und schauen in die Milchstraße. Wie kitschig! Km 419/3.746/66.136.

 

Sonntag, 21. Mai 17, Tag 47/350: Uluru (Ayers Rock)

War der Mount Conner gestern schon sehr beeindruckend und hat uns eine Gänsehaut aufgezogen, so sind wir heute beim Anblick des Uluru schlichtweg überwältigt. Wir sehen ihn uns von allen Seiten an, von fern und im Rahmen eines Spazierganges aus nächster Nähe. Am Nachmittag fahren wir weiter zu den Olgas, einer Felsformation, die auch Kata Tutja genannt wird und die den Uluru an Ausmaßen sogar noch übertrifft. Gut eine Stunde vor Sonnenuntergang sind wir zurück beim Ayers Rock, machen es uns auf unseren Campingstühlen bequem und sehen bei einem Bier zu, wie der Monolith im Licht der untergehenden Sonne kräftig orange und später grau wird. Wir übernachten außerhalb des Kata Tutja Nationalparks im Busch neben der Straße. Vor dem Abendessen haben wir noch Besuch: Eine ziemlich große Spinne sitzt im Wohnzimmer. Sie ist schnell entfernt, doch der Gedanke, dass weitere Exemplare im Auto, im Schlafzimmer, im Bett sein könnten, ist beunruhigend. Km 299/4.045/66.435.

Montag, 22. Mai 17, Tag 48/351: Uluru (Ayers Rock)

Wir fahren nochmals ein Stück in den Park, um bei Sonnenaufgang mit Blick auf den Uluru zu frühstücken. Der Höhepunkt des Tages aber ist ein Hubschrauber-Rundflug über den Ayers Rock. Auf dem Weg zurück nach Alice Springs machen wir einen Abstecher zu den Henbury Craters, die nach einem Meteoriteneinschlag entstanden sind. Der größte Krater misst 180 Meter im Durchmesser und ist 15 Meter tief. Wer hätte übrigens gedacht, dass es Kamele in Australien gibt? Sie wurden im 19. Jahrhundert her gebracht und angeblich gibt es über eine halbe Million Dromedare auf dem Kontinent. Wir können eine kleine Herde neben dem Lasseter Highway beobachten. Kurz vor Alice Springs übernachten wir neben dem Stuart Highway. Km 506/4.551/66.941.

Dienstag, 23. Mai 17, Tag 49/352: Alice Springs

Gleich nach dem Starten des Zerberus fällt uns ein drehzahlabhängiges Surrgeräusch auf, das stark an das defekte Lager der Lichtmaschine auf der letzten Etappe erinnert. Da der Flachriemen über sieben oder acht Rollen läuft, wär's ja kein Wunder, wenn nun das nächste Kugellager kaputt wäre. Als ich eine halbe Stunde später bei einem Supermarkt in Alice über eine Bodenschwelle fahre, gibt es ein lautes Knarren, das vermutlich ein Stoßdämper von sich gibt. Ein weiteres Geräusch, das ich bisher noch gar nicht erwähnt habe, begleitet uns seit einigen Tagen und hat was mit der Lenkung zu tun. Alles zusammen ergibt ja beste Voraussetzungen für die über 3.000 Kilometer lange Fahrt durch kaum besiedeltes Gebiet bis zur Ostküste! Wir lassen uns vorerst einmal keine grauen Haare wachsen und sehen uns Alice Springs an. Vom Anzac-Hill bietet sich ein schöner Blick über die an einer Spalte in den MacDonnel Ranges gelegene Stadt, die nur aus niedrigen Häusern mit viel Grün dazwischen besteht. "The Gap" lässt nur Platz für ein trockenes Flussbett und den Stuart Highway. Wir statten dem Royal Flying Doctor Service einen Besuch ab und erfahren hier eindrucksvoll, wie mit 77 Flugzeugen an 24 Basen auf dem ganzen Kontinent die medizinische Versorgung in abgelegenen Gebieten funktioniert. In der School of the Air sehen wir, wie Kinder "am Ende der Welt" unterrichtet wurden und werden: Gab es früher Unterricht per Funkgerät, so werden die Schüler, die teils weit über 1.000 Kilometer entfernt sind, heute per Internetverbindung über Satellit unterrichtet. Durch eine Glaswand können wir einer Volksschullehrerin im Studio zusehen. Die Kinder sitzen jeweils zu Hause mit Headset an einem Computer, können verbal oder wie im Chat antworten und haben sogar einen Button für's Aufzeigen: "Bitte Frau Lehrer ...!" Dauerte es früher bis zu drei Wochen, bis die Hausübungen korrigiert mit dem Postflugzeug zurück kamen, geht das jetzt mit Scanner und Datenverbindung sehr viel schneller. Aber Schulbücher und Bücher aus der Bibliothek kommen auch heute noch per Luftpost. Wir sehen uns noch die im Central Australian Aviation Museum in zwei Hangars ausgestellten alten Flugzeuge an, von denen uns vor allem eine Douglas DC-2, eine große zweimotorige Propellermaschine mit Heckrad, gefällt, die man aus alten Filmen kennt. Wir fahren nun in die East MacDonnel Ranges, können aber die Euphorie unseres Reiseführers vorerst nicht teilen, denn Emily- und Jessie-Gap und Corroboree Rock sind alles andere als Sehenswürdigkeiten. Als wir beim Corroboree Rock wegfahren, tut sich der Zerberus dann noch ein wenig schwer beim Starten, springt dann aber doch an. Er scheint irgendwie ein wenig reisemüde zu sein. Wir übernachten am Campingplatz vor der Trephina Gorge, die wir uns morgen ansehen wollen. Km 121/4.672/67.062.

Mittwoch, 24. Mai 17, Tag 50/353: Arltunga. Ein Drittel der Erde umrundet!

Wir spazieren in die Trephina Gorge, wo sich die von der Morgensonne angestrahlten roten Felsen in einem Wasserloch spiegeln. Wieder tut sich der Zerberus schwer beim Starten, gibt dann aber ganzen Tag keinen weiteren Grund zur diesbezüglichen Beanstandung. Bis zur Goldgräber-Geisterstadt Arltunga sind es etwa 45 Kilometer, davon gut 30 ohne Asphalt. Auf dieser Piste, die sich gottseidank in halbwegs gutem Zustand befindet, haben wir Grund zum Feiern, denn wir haben ein Drittel der Erde umrundet, 120 Längengrade hinter uns gelassen! Wir stoßen auf ein gutes Gelingen der restlichen zwei Drittel an. In Arltunga gibt es ein Informationszentrum, das einen guten Eindruck vom entbehrungsreichen Leben der Goldgräber im Outback bietet. Das Informationszentrum ist "unbemannt", die Ausstellungsgegenstände sowie Videorekorder und ein großer Bildschirm scheinen auch ohne Aufpasser nicht abhanden zu kommen. Die historischen Stätten sind über ein größeres Gebiet verstreut, man muss immer wieder ein, zwei Kilometer fahren, um zu den verschiedenen Minen, dem Polizeigebäude mit Gefängnis, den Regierungsgebäuden und dem Friedhof zu kommen. Von den Behausungen der Goldgräber ist nur mehr wenig zu sehen, da diese in Zelten gewohnt haben, die sie nur mit niedrigen Steinmauern umgeben haben. Mehrere Goldminen kann man begehen, doch darf man sich die nicht wie  Bergwerke vorstellen, sie sind eher nur Höhlen. Aus der größten Mine hier, der Great Western Mine, wurden händisch 600 Tonnen Gestein zu Tage gefördert, um 18 Kilo Gold zu gewinnen. Am Abend sind wir zurück bei der Emily Gap, in deren Nähe wir übernachten. Km 166/4.838/67.228.

Donnerstag, 25. Mai 17, Tag 51/354: Von Alice Springs nach Queensland

Wir haben uns nun doch entschlossen, den Zerberus in einer Werkstätte ansehen zu lassen, bevor wir uns die gut 3.000 Kilometer durch das Outback nach Brisbane auf den Weg machen. Der Mechaniker bei Mercedes meint, das Geräusch kommt von der Rolle an der Spannvorrichtung des Flachriemens. Ein Ersatzteil könnte er morgen Abend da haben. Das dauert uns aber zu lange, da wir unbedingt vor dem Wochenende in Mount Isa sein wollen. Das ist die erste Stadt in Queensland und da sollten wir uns um eine Versicherung kümmern, was am Wochenende wohl nicht möglich sein würde. Die Rolle an der Lichtmaschine hat voriges Jahr auch einige tausend Kilometer gehalten, nachdem das Surrgeräusch aufgetreten ist. Wird schon gut gehen! Um Viertel nach 9 fahren wir in Alice Springs ab, halten nur kurz zum Mittagessen und eine Stunde nach Sonnenuntergang und 1.075 Kilometer später sind wir kurz vor Mt. Isa. Die Route führt zunächst zurück nach Tennant Creek, wo wir vom Stuart Highway nach Osten abbiegen. 750 Kilometer ändert sich die Landschaft nicht: Niedriger Busch beidseits der Straße, Termitenhügel. Dann ist plötzlich der Busch aus und es gibt nur mehr helles trockenes Gras, gelegentlich Rinderherden. Es ist völlig eben und nach Tennant Creek kaum Verkehr. 200 Kilometer vor Mt. Isa passieren wir die Grenze zu Queensland. Während in Northern Territory 130 erlaubt sind, gelten hier 110 km/h. Km 1.075/5.913/68.303.

 

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