Zurück nach Bremerhaven und Brüssel

Übersicht 16. Etappe

Weiter nach Texas

    USA   1 EUR = 1,07 USD      33 Einwohner/km2      Rechtsverkehr       Diesel 1,20-1,80 Euro, je nach Bundesstaat

Florida und Golfküste

Samstag, 28. Mai 22, Tag 4/658: Miami      MESZ -6 Stunden

Nach neun Stunden treffen wir in Höhe von West Palm Beach auf die Ostküste der USA. Im Landeanflug auf Miami sehen wir auf die Skyline der Stadt und haben einen schönen Blick über die Everglades. Die Einreiseformalitäten sind unkompliziert, der Beamte an der Passkontrolle ist völlig unmotiviert und stellt keine Fragen. Mit einem Mietwagen fahren wir die hundert Kilometer nach West Palm Beach, wo wir eine SIM-Karte für's Handy kaufen und ein Blasenpflaster für Susis in Brüssel geschundene Füße. Tante Regina ist sichtlich etwas überrascht, als wir bei ihr anläuten, aber dann fällt ihr sogleich wieder ein, dass wir für heute bei ihr angemeldet sind. Das Wiedersehen ist sehr herzlich, sie ist bei bester Gesundheit und seit unserem letzten Besuch vor zwei Jahren nicht gealtert. Sie ist jetzt 88 und lebt noch immer selbständig in ihrem großen Haus an einem See. Wir überreichen unsere Souvenirs aus Österreich (ich glaube, am meisten Freude hat sie mit den Gulaschwürfeln) und plaudern lange, aber es zieht uns bald ins Bett, denn der Tag war wegen der 6-stündigen Zeitverschiebung lange. 

Sonntag, 29. Mai 22, Tag 5/659: West Palm Beach 

Sehr früh sind wir unausgeschlafen wach, Jetlag ist eine üble Erfindung. Weil man im Hafen von Brunswick Warnweste und Helm tragen muss, erstehe ich in einem Baumarkt einen schicken gelben Baustellenhelm, eine Warnweste habe ich im Reisegepäck. Wir machen eine Rundfahrt durch West Palm Beach, in dessen Zentrum viele Menschen in Lokalen herumhängen und in dessen hässlichem Strand andere viele Menschen im Wind liegen. Am Flughafen retournieren wir unseren Mietwagen und fahren mit einem Uber-Taxi zurück zu Tante Regina. Am Nachmittag wollten wir in den Pool, aber es zieht ein heftiger Gewittersturm auf und wir lassen es. Regina freut sich, weil es nach drei Monaten ohne Regen endlich Niederschlag gibt und sie nun ihren Garten eine Weile nicht mehr bewässern muss. Am Abend laden wir Regina in ein schickes Barbeque-Restaurant ein (sie fährt noch immer Auto). Die Menüs sind günstiger als die Hauptgericht alleine und so üppig, dass ich nach dem Vorspeisensalat eigentlich schon aufhören sollte. Obwohl wir uns hartnäckig durch die Gänge kämpfen, müssen dann doch ein paar Rippchen und Hühnerkeulen in den Doggie-Bag. Am Abend spielen wir noch Karten mit Regina, wir spielen "31", das ist recht lustig, obwohl ich ständig verliere.

Montag, 30. Mai 22, Tag 6/660, Memorial Day: Lake Worth

Der Jetlag und die Klimaumstellung machen mir diesmal ziemlich zu schaffen. Ich bin dauermüde. Vom Hafen höre ich, dass erwartungsgemäß heute am Feiertag keine Fahrzeuge ausgeliefert werden. Am Nachmittag gibt es neuerlich ein Gewitter mit Sturmwind, dass man glaubt, das Dach fliegt davon. Heute kommt Reginas Sohn Stefan zu Besuch, er hat Unmengen von Futter mit, zehn Leute könnten das nicht aufessen. Er grillt Burger und Bratwürste, alles schmeckt fantastisch. Wir haben einen sehr schönen Abend mit den beiden.

 

Dienstag, 31. Mai 22, Tag 7/661: Lake Worth

Am Vormittag kommt die Mitteilung, dass der Zerberus vom Hafen freigegeben wurde, aber es fehlt noch die Freigabe der Reederei, keine Ahnung, warum die noch nicht vorliegt, die Frachtrechnung ist schon lange beglichen. Zwei Stunden später ist es dann endlich soweit: Unser Wohnmobil ist zur Abholung bereit. Wir müssen nun für morgen einen Termin mit dem Escort Service vereinbaren, weil man ja nur in Begleitung in den Hafen darf. Man muss einen Termin per SMS buchen, aber die Bestätigung lässt auf sich warten. Nachdem ich um 17 Uhr noch immer keinen Termin erhalten habe, buche ich trotzdem einen Mietwagen, den wir um 20 Uhr abholen und morgen Abend in Jacksonville zurückgeben müssen. Eine Rückgabe in Brunswick ist leider nicht möglich. Um kurz vor Mitternacht (!) kommt endlich das SMS mit dem Termin: 12 Uhr.

Mittwoch, 1. Juni 22, Tag 8/662: Brunswick

Wir stehen um halb fünf auf, frühstücken und verabschieden uns schweren Herzens von Tante Regina. Nach Brunswick in Georgia sind es 600 Kilometer und wir kommen pünktlich zum Treffpunkt mit dem Escort Service. Nach einer guten halben Stunde kommt eine Dame vorbei, um uns mitzuteilen, dass im Hafen von 12 bis eins Mittagspause ist. Und trotzdem haben die uns einen Termin für 12 Uhr gegeben! Unglaublich! Um kurz nach eins fährt mich die Lady in den Hafen, Helm braucht man übrigens nicht, hat auch keiner einen auf, den hab ich umsonst gekauft. Der Zerberus steht schon bereit, auf der Veranda vor einem Büro ist noch ein bisschen Bürokratie zu erledigen und um dreiviertel zwei, also nach nicht einmal 45 Minuten, bin ich wieder auf dem Parkplatz vor dem Hafen, auf dem Susi im Mietwagen wartet. Der Escort Service berechnet für angefangene zwei Stunden 180 Dollar. In Worten einhundertachtzig. Wieder unglaublich. Vor eineinhalb Jahren hab ich übrigens 90 bezahlt, auch das fand ich damals ziemlich teuer. Im Führerhaus des Wohnmobils sieht es ziemlich unordentlich aus, offensichtlich hat jemand etwas gesucht, die Deckel vom Sicherungskasten und den Kästen unter den Sitzen liegen auf dem Boden, die 12-V-Steckdose ist demontiert, eine Verkleidung am Armaturenbrett ist stark beschädigt. Nicht auszudenken, was los wäre, hätte ich die Trennwand hinter den Vordersitzen nicht eingebaut. Im Wohnbereich ist alles ok, da war keiner drin, aber versucht haben sie's: Der Vorhang vor der Trennwand ist weggeschoben und beim Abbauen der Wand sehe ich, dass die Bretter verbogen sind, anscheinend wurde versucht, die Wand zu durchbrechen. Die Bretter und den Helm lassen wir auf dem Parkplatz zurück, jemand wird sich drüber freuen. Treibstoff ist bei weitem nicht so billig, wie vor kurzem noch gelesen, Diesel kostet 1,30 Euro (Ende 2020 0,70). Nun fahren wir im Konvoi etwa 100 Kilomter zurück nach Jacksonville, wo wir am Flughafen den Mietwagen zurückgeben. Jetzt noch Wasser tanken und ein größerer Einkauf, dann sind wir fast reisefertig. Propangas fehlt noch, das heben wir uns für morgen auf. Auf der Interstate 10 geht es nun westwärts Richtung Tallahassie, der Hauptstadt Floridas. Wir übernachten in Lake City, einer netten Kleinstadt, auf einer Wiese im Zentrum. Km 221/1.238/144.854.

Donnerstag, 2. Juni 22, Tag 9/663: Tallahassee, Panama City     MESZ -7 Stunden

Am Morgen erledige ich anstehende Bastelarbeiten: Ich mache eine Halterung für den Bärenspray und Aufhängungen für den Schuhlöffel und die Wanderstöcke, was ich zu Hause wegen der Trennwand nicht machen konnte. Ich montiere die Dash-Cam, repariere die Stromversorgung der Rückfahrkamera und versuche das abgerissene Teil am Armaturenbrett zu kleben, was aber nicht gelingt. An einem Campingplatz am Stadtrand kriegen wir unsere Gasflasche gefüllt. Auf einer endlosen Autobahn durch Buschland geht es nach Tallahassee, das so gar nicht den Eindruck einer Großstadt erweckt. Es ist eine grüne und ruhige Stadt mit vielen Bäumen mit Spanischem Moos, ohne Stau und Hektik. Wir sehen uns das hübsche Old State Capitol an, das jetzt als Museum dient, und fahren im gleich nebenan gelegenen neuen State Capitol ins oberste, 22. Stockwerk, von wo man recht schön sieht, wie grün und vor allem wie klein die angeblich 200.000 Einwohner zählende Hauptstadt Floridas ist. Westlich von Tallahassee passieren wir die Zeitzonengrenze zur Central Time und sind von nun an sieben Stunden hinter Mitteleuropa. In Panama City, gemeint ist natürlich nicht die Hauptstadt von Panama, sondern ein hipper Badeort westlich von Tallahassee, messen wir beachtliche 35 Grad. Am weißen Sandstrand von Panama City Beach weht aber ein lebhaftes Lüfterl, sodass es nicht zu heiß für ein Bad im Golf von Mexiko ist. Glücklicherweise finden wir direkt am langen Pier einen Parkplatz. Wir übernachten sehr ruhig ganz alleine 50 Kilometer weiter im Point Washington State Forest. Km 444/1.682/145.298.

Freitag, 3. Juni 22, Tag 10/664: Santa Rosa Island, Pensacola

Pünktlich zu Beginn der Hurricane-Saison (1. Juni bis 30. November) hat sich über der Halbinsel Yucatan der erste Tropensturm des Jahres mit dem einfallsreichen Namen "One" gebildet und zieht Richtung Florida. Wie es scheint, sind wir schon weit genug westlich und entkommen ihm. Tante Regina hingegen wird wohl ihr Haus sturmfest machen müssen. Über eine Brücke gelangen wir auf Santa Rosa Island, wo es hunderte Kilometer unverbaute weiße Sandstrände gibt, die mehrmals zum Baden einladen. In der hübschen Südstaatenstadt Pensacola sehen wir uns das sehr nette historische Stadtviertel an. Hier wurden an die zwanzig 200 Jahre alte Häuser im Originalzustand belassen bzw. restauriert und teilweise als Museen eingerichtet. Wir verlassen nun Florida, überqueren auf einer 20 Kilomter langen Brücke die Mobile Bay und lassen bald darauf Mobile, die unspektakuläre Hauptstadt Alabamas hinter uns. In Ocean Springs in Mississippi übernachten wir auf einem ruhigen Parkplatz. Km 321/2.003/145.619.

Samstag, 4. Juni 22, Tag 11/665: New Orleans

Nach kurzer Fahrt erreichen wir Louisiana und bald sind wir in New Orleans. Die Stadt gibt sich so, wie man sie sich vorstellt, es gibt bunte Häuschen mit verschnörkelten Veranden und viel Blumenschmuck, viele Bäume, an jeder Ecke Jazzmusikanten, Maler, Wahrsager und sonstige Künstler. Parkplätze im Zentrum kosten 24 USD (23 EUR) je zwei Stunden. Da stellen wir uns lieber in eine Ladezone, der Zerberus sieht ja eh aus wie ein Lieferwagen. Zentrum der Stadt ist der Jackson Square mit der St. Louis Cathedral, die leider wegen einer Priesterweihe geschlossen ist. Am Mississippiufer liegt ein Raddampfer, der seine Passagiere mit beschwingtem Pfeifenorgelspiel begrüßt. Im riesigen City Park sehen wir uns den interessanten Skulpturengarten an. Am Nachmittag besuchen wir noch das Barataria Preserve, ein Naturschutzgebiet im Schwemmland des Mississippideltas, wo man auf Plankenwegen durch die Sümpfe gehen kann. Schilder warnen davor, Krokodile zu füttern. Leider bekommen wir keines zu sehen. Am Abend fahren wir noch bis nach Baton Rouge, Louisianas Hauptstadt. Wahrzeichen ist das alte State Capitol, das wie ein Märchenschloss im neugotischen Stil aussieht. Das neue, in den 30er-Jahren errichtete Kapitol hingegen ist ein dreißigstöckiger Turm mit Spitze, der an die ersten Wolkenkratzer erinnert. Wir übernachten in St. Francisville an einem aufgelassenen Fähranleger am Mississippi. Leider ist es laut, weil von einem Nahen Fest die Musik herdröhnt und mehrmals in der Nacht kommen Autos mit röhrenden Auspuffen dahergerast und ziehen auf dem Platz Schleiferl. Km 409/2.412/146.028.

Sonntag, 5. Juni 22, Tag 12/666: Baton Rouge

Unweit von St. Francisville befindet sich das Mary Anne Brown Preserve, ein privates Naturschutzgebiet. Wir wandern durch einen Wald und umrunden einen kleinen See, in dem Schildkröten mit rot-blauer Zeichnung am Kopf schwimmen. Zurück in Baton Rouge sehen wir uns das neue State Capitol an, das gestern schon geschlossen war. Von der prunkvollen Halle geht es auf der einen Seite in's Repräsentantenhaus, auf der anderen in den Senat. Zwar ist gerade keine Sitzung, aber man sieht, dass hier gearbeitet wird: Jeder Abgeordnete hat einen kleinen Schreibtisch mit Bildschirm und Mikrofon, manch einer hat ein wüstes Durcheinander an Papieren hinterlassen, viele haben ihre Laptops auf dem Tisch liegengelassen. Über die Brücke auf dem Foto oben queren wir den Mississippi und weiter geht es westwärts. In einem KFC warten wir über eine halbe Stunde auf's Mittagessen, das dann auch nicht besonders schmeckt. Zur ärgsten Mittagshitze spazieren wir am Ufer des Lake Martin entlang. Hier wachsen Bäume im See, die nicht, wie anderswo, im Wasser absterben, sondern sich bester Gesundheit zu erfreuen scheinen. Es gibt weiße und schwarze Reiher, tausende Libellen und auch ein kleiner Alligator schaut gelangweilt aus dem Wasser. Während die I-10 in Louisiana hunderte Kilometer durch Buschland und Wälder, manchmal auch über einem Fluss (ja, die haben die Autobahn echt auf Stelzen in den Fluss gebaut) dahinzieht, begleiten in Texas Felder und vor allem Wiesen, auf denen das Rindfleisch weidet, den Highway. In einer Kleinstadt namens Winnie soll es einen Park geben, in dem man drei Tage gratis campieren darf. Das ist nicht nur nicht gelogen, es gibt auch Toiletten, Strom und Wasser gratis. Die Rätselfrage des Tages lautet, wie viele Wohnmobile stehen schon hier? A) keines, B) acht und C) an die 40. Es ist kaum zu glauben, dass wir an diesem schattigen Plätzchen ganz alleine sind. Während wir an den Mückenstichen von gestern und vorgestern kratzen, stechen die Mücken von heute, wollte ich nach den Insekteninvasionen der letzten Abende schreiben, doch hier gibt es kaum Mücken. Welch paradiesische Zustände! Km 427/2.839/146.455.

Montag, 6. Juni 22, Tag 13/667: Winnie

Weil der Platz so schön ruhig und schattig ist, beschließen wir, hier einen Tag Urlaub vom Reisen zu machen. Doch gleich in der Früh bereitet uns der Kühlschrank einen ordentlichen Schreck, indem er genau gar nichts macht. Das ist ja schon der zweite Kühlschrank, den wir im Zerberus verwenden. Der erste ist kaputt gegangen und ließ sich auch vom Klimatechniker nicht reparieren. In das Möbel passt aber nur genau dieser Typ rein und leider wird dieser nicht mehr hergestellt. Ich musste lange suchen, bis ich einen gebrauchten gefunden habe. Wenn der jetzt auch kaputt ist, wäre das echt eine Katastrophe, denn das Thermometer wird in dieser Woche noch die 40 Grad überschreiten. Nach einigem Suchen finde ich die Ursache des Problems: Der Stecker des Anschlusskabels ist durchgeschmort. Hurra, also nicht die Katastrophe! So ein Stecker ist natürlich in Reserve mit und auch ein Lötkolben. Den Rest des Tages verbringen wir mit Lesen und damit, zuzusehen wie sich Kinder am nahen Wasserspielplatz abkühlen.

Dienstag, 7. Juni 22, Tag 14/668: Houston

Unser heutiges Ziel ist das Space Center in Houston. Wir wählen die Straße über die Halbinsel Bolivar, wo einsame Strände zum Bad einladen, und von der man mit einer Gratis-Fähre auf die Insel Galveston übersetzen kann. Leider müssen wir fast zwei Stunden warten, bis wir drankommen, denn kommerzielle Fahrzeuge, Busse und wer weiß was noch wird vorrangig transportiert. Als wir dann endlich dran sind, geht unmittelbar vor uns der Schranken runter und die Fähre fährt nur halb beladen ab. Bei der nächsten klappt es dann endlich. Von Galveston führt eine Brücke auf's Festland und bald sind wir in Clear Lake, dem Vorort von Houston, wo sich das Space Center der NASA befindet. Schon von weitem sieht man den vor dem Center abgestellten Jumbo-Jet mit einem Space Shuttle huckepack. Um den Eintrittspreis von über 30 USD bekommt man leider wenig geboten, in nicht einmal einer Stunde hat man alle ziemlich fantasielos gestalteten Abteilungen angesehen. Das Apollo-Kontrollzentrum ist (vorübergehend?) nicht zugänglich und, um die in einer riesigen Halle gelagerte übriggebliebene Saturn-V-Rakete bestaunen zu können, müssen wir über eine Stunde warten. Immerhin muss man nicht in der Schlange stehen, sondern kann derweil in eines der beiden Kinos gehen. Verglichen mit dem Space Center in Cape Canaveral oder dem NASA-Center in Washington ist das hier leider ziemlich enttäuschend. Die Nachtplatzsuche gestaltet sich mühsam, bis Susi einen von der Straße kaum einsehbaren asphaltierten Plaatz hinter einem geschlossenen Geschäft findet. Der Platz ist echt gut, wir können sogar duschen, nur der Asphalt strahlt noch lange die Hitze des Tages ab. Km 183/3.022/146.638.

 

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