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Übersicht 17. Etappe

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   Mexiko: Baja California   MEZ - 9 Stunden      1 EUR = 19 Pesos      Diesel 1,30 EUR

Sonntag, 22. Jänner 23, Tag 8/722: Tecate

Am Grenzübergang in Tecate ist nicht viel los. Auf US-Seite gibt es keine Siedlung, es ist nur die Mauer da. Beim Näherkommen öffnet sich ein Schranken und wir fahren in eine Art Hof. Es gibt keinerlei Kontrollen von US-Seite, der mexikanische Zoll inspiziert das Auto oberflächlich und wir dürfen durch ein Tor fahren. Wir erwarten, dass nun die Passkontrolle erfolgt, doch wir stehen mitten in einer mexikanischen Stadt. Das war's schon. Niemand hat sich für Pässe oder Fahrzeugpapiere interessiert. Wir könnten nun einfach weiterfahren, aber wir wissen, dass man auf diese legere Art nur einreisen darf, wenn man in Grenznähe bzw. auf der Halbinsel Baja California bleibt. Wer so wie wir auf's "Festland" will, muss sein Fahrzeug temporär importieren, sich ein "TIP1" ausstellen lassen. Also marschiere ich mit allen Dokumenten zurück, werde in ein Zollbüro geschickt, wo ich mein Anliegen vortrage. Der Zöllner schickt mich weiter zu einem Kassenhäuschen außerhalb des Gebäudes, wo ich die Gebühr entrichten soll. Dort muss ich unter anderem mein Visum vorlegen. Das habe ich aber nicht, weil sich EU-Bürger visumfrei 180 Tage im Land aufhalten dürfen. Also wieder zurück zum ersten Schalter, wo ich ein Formular ausfülle, dann wieder zum Kassenhäuschen. Hier brauche ich nun aber eine Kopie des Visumformulars, doch es gibt hier angeblich keinen Kopierer. Ich soll's mal in der Apotheke da drüben probieren. Die hat allerdings geschlossen, es ist ja Sonntag. In einer Wechselstube kopiert mir eine freundliche Dame das Formular mit ihrem Faxgerät, doch auf der Kopie kann man so gut wie nichts erkennen. Schließlich bekomme ich in einem Versicherungsbüro die ersehnte Kopie. Nun wieder zurück zum Kassenhäuschen. Jetzt will er erklärt kriegen, wo auf dem Zulassungsschein steht, dass es sich um ein Wohnmobil handelt. Dummerweise steht das nirgendwo, denn es ist "Lastkraftwagen" eingetragen. Ich zeige daher auf "Einzelgenehmigung", doch der Beamte ist nicht dumm, bemüht den Google-Übersetzer und glaubt mir nicht, dass das "Wohnmobil" bedeuten soll. Ob ich nicht ein paar Fotos vom Fahrzeug habe, auf denen erkenntlich ist, dass es sich um ein Wohnmobil handelt? Habe ich nicht, kann ich aber schnell machen. Ich laufe wieder raus aus dem Zollhof, mache die Fotos, aber er ist noch immer nicht zufrieden, er will, dass die Fachabteilung das absegnet, doch dieses Büro ist heute geschlossen, ich soll morgen um neun wiederkommen. Jetzt sollte ich kurz erklären, warum es wichtig ist, dass wir den Zerberus als Wohnmobil und nicht als "Auto" importieren. Als Auto müssten wir 400 USD Kaution hinterlegen und dürften das Fahrzeug nur sechs Monate im Land lassen, als Wohnmobil hingegen brauchen wir keine Kaution bezahlen und kriegen eine Aufenthaltsdauer von zehn Jahren erlaubt. Auch wenn sechs Monate bei weitem reichen und wir die Kaution ohnehin bei der Ausreise zurückbekommen, fahren wir heute nicht weiter, sondern kommen morgen wieder, denn wer weiß, was passiert. Für den Fall, dass wir aus irgendeinem Grund vorzeitig nach Hause fliegen müssten, müssten wir bis Juli zurück sein und die Reise im heißen Sommer fortsetzen. Auf der Fahrt durch Tecate und zum etwa 20 Kilometer entfernten Campingplatz, auf dem wir heute übernachten, ereilt uns ein kleiner Kulturschock, die Gegend ist ärmlich, es ist schmutzig, die Straßen sind in echt üblem Zustand, viele Autos auch. Und da ist der Grenzzaun, der durch die Landschaft läuft. Wir machen einen Spaziergang durch den weitläufigen Campingplatz, es sind nur sehr wenige Gäste hier. Es ist ungemütlich kalt und sobald die Sonne nicht mehr hoch steht, verlangt der Körper nach Anorak und Haube. Am Abend mache ich online die Schadensmeldung bei der Versicherung der Frau, die uns am Vormittag reingefahren ist3. Km 108/1.293/160.249.

Montag, 23. Jänner 23, Tag 9/723: Ensenada

Heute klappt es auf der Grenze. Eine freundliche Zöllnerin sieht sich den Zerberus kurz an und schreibt für die Dame im Kassenhäuschen eine Bestätigung, dass es sich bei unserem Fahrzeug um ein Wohnmobil handelt. Heute werde ich auch nicht zum Kopieren geschickt, weil  die Dame den erstaunlicherweise in ihrem Büro verhandenen Kopierer benützt. Ich muss noch eine Gebühr entrichten und dann erhalte ich das TIP. Der Zerberus darf nun zehn Jahre in Mexiko bleiben. Mit 22 Stunden belegt dieser Grenzübertritt Platz zwei auf unserer Liste der längsten Grenzaufenthalte (nach Australien mit 16 Tagen). Unser erstes Ziel in Mexiko ist Ensenada, eine Stadt am Pazifik. Von einem Aussichtspunkt hat man einen tollen Blick auf ein endloses Häusermeer. Zu Mittag probieren wir erstmals authentisches mexikanisches Essen, schmeckt nicht schlecht, scharf natürlich. An der Uferpromenade weht an einem hohen Mast eine riesige mexikanische Fahne, sicherlich eine der größten Flaggen, die wir je gesehen haben. Schönstes Gebäude der Stadt ist das Riviera del Pacifico, ein ehemaliges Hotel, das jetzt ein Museum beherbergt. Heute gelingt es erstmals, Euros zu wechseln, das war schon in den USA unmöglich und gestern in Tecate ebenso2. Auf einer Halbinsel südlich der Stadt befindet sich das La Bufadora Blowhole, wo heranrollende Wellen Fontänen aus einer Felsöffnung blasen. Zum Abendessen gibt es in Muschelschalen gegrillte Garnelen mit Tomaten und Käse drüber. Wir übernachten auf einem Campingplatz auf den Klippen hoch über dem Pazifik. Bilderbuchsonnenuntergang inklusive! Km 177/1.470/160.426.

Dienstag, 24. Jänner 23, Tag 10/724: Carretera Transpeninsular

Carretera Transpeninsula, so heißt die 1.600 Kilometer lange Straße, die die hügelige Halbinsel Baja California durchläuft und auf der wir uns die nächsten Tage bewegen. Die Straße ist meist in relativ gutem Zustand, aber oft kurvig und nicht sehr breit, jeder entgegenkommende Lkw erfordert volle Konzentration, zudem lange Zeit starker Seitenwind herrscht. Die vielen Kreuze an der Straße und die oft nicht weggeräumten Autowracks zeugen von einer hohen Unfallträchtigkeit. Anfangs begleiten uns endlose Weingärten, abgeteilt von Reihen von Olivenbäumen. Dann folgen riesige Gemüsefelder, die meist mit Zäunen aus Plastikfolien eingegrenzt sind. Durch Sonne und Wind verwittern die Folien und hunderttausende Plastikfetzen fliegen durch die Landschaft. Es gibt auch viele Gewächs-"häuser", ebenfalls aus Plastikfolie. Bald aber geht es nur noch durch Wüste, eine Steinwüste mit kleinen Büschen, die genausogut in Afrika sein könnte, wären da nicht die Millionen von Kakteen. Manche sind sieben oder acht Meter hoch, manche haben Stämme wie Bäume, aber auch hier Stacheln dran. Fragt Susi! Die mit der Zeit immer weniger werdenden Orte an der Straße sind trist und staubig, es ist nur die Carretera asphaltiert. Wir campieren hinter einem sehr einfachen Gasthaus. Km 561/2.031/160.987.

Mittwoch, 25. Jänner 23, Tag 11/725: Laguna Ojo de Liebre   MEZ - 8 Stunden

Mehrmals, wie gestern schon, passieren wir Militärkontrollen, bei denen unser Fahrzeug inspiziert wird. Vor Guerrero Negro überqueren wir die Grenze zwischen den Bundesstaaten Baja California und Baja California Sur. Hier werden die Fahrzeuge desinfiziert, indem aus einem Schlitz in der Fahrbahn ein winziges Sprühnebelchen von unten auf die Autos geblasen wird. Vermutlich nur Touristen bezahlen dafür 20 Pesos (1 EUR). Außerdem verläuft hier die Zeitzonengrenze, die völlig unloscherweise die Halbinsel Baja California quer (!) teilt. In Guerrero Negro nehmen wir an einer Walbeobachtungsfahrt teil. In der nahen Lagune sollen die Chancen, zu dieser Jahreszeit Grauwale zu sehen, besonders hoch sein. Das Boot ist ziemlich klein, unsere Gruppe auch: Außer dem Bootsführer sind wir neun Personen. Zunächst gibt es nicht viel zu sehen, es zeigt sich nur ein Delphin und auf einer Boje sonnen sich große Robben. Doch dann sieht man in der Ferne eine Fontäne, unser Boot hält darauf zu. Und plötzlich sehen wir den ersten Grauwal. Und noch einen. Und dann viele! Bis zu drei erwachsene Tiere schwimmen immer beisammen. Manche Kühe werden von Babys begleitet. Grauwale werden mit einem Gewicht von etwa 700 Kilogramm geboren und werden bis zu zwölf Meter lang! Die Tiere kommen ganz nah ans Boot und lassen sich sogar streicheln. Ein paar Mal blasen sie ihre Fontäne direkt ins Boot und nur durch größte Geistesgegenwart kann ich die Kamera vor dem Wasser schützen. Die Walbeobachtung ist ein fantastisches Erlebnis! Wir fahren danach noch bis San Ignacio, wo wir uns die Missionskirche aus dem 18. Jahrhundert an der schattigen Plaza ansehen. Wir übernachten unweit davon auf einem Campingplatz. Km 245/2.276/161.232.

Donnerstag, 26. Jänner 23, Tag 12/726: Santa Rosalia, Mulege, Loreto

Heute sehen wir uns drei Kirchen an, die verschiedener kaum sein könnten: Zunächst in Santa Rosalia die von Gustav Eiffel (ja genau, der mit dem Turm) entworfene, in Paris gebaute und hierher transportierte Kirche Santa Barbara, die Eiffelkirche quasi, eine Metallkonstruktion, versteht sich. In Mulege dann die fast 300 Jahre alte Missionskirche Santa Rosalia mit dicken Mauern aus Vulkansteinen. Die Transpeninsular führt nun am Golf von Kalifornien südwärts; immer wieder gibt es tolle Sandstrände, an denen jeweils zehn bis 30 Wohnmobile stehen. Viele Amis kommen zum Überwintern auf die Baja California, aber es sind kaum Leute zu sehen, alle hocken in ihren Womos und schauen vermutlich fern. Es hat zwar um die 20 Grad, aber der ständig wehende starke Wind macht es ungemütlich und das Meer hat keine 15 Grad, gemessen mittels Zehenthermometer. In Loreto, einer größeren Stadt am Meer, sehen wir uns als dritte Kirche die Misión Nuestra Señora an, die mit ihrem offenen Turm besticht. Wir schlendern durch die nette Fußgängerzone und stoßen dabei auf einen winzigen Campingplatz mitten in der Stadt, in dem wir uns ein Platzerl sichern. Km 293/2.569/161.525.

Freitag, 27. Jänner 23, Tag 13/727: La Paz

Von Loreto aus machen wir einen Abstecher zur vor einer schönen Bergkulisse gelegenen Missionskirche San Francisco Javier de Vigge-Biaundo. Dann geht es weiter auf der Transpeninsular. Am späten Nachmittag erreichen wir La Paz, wo uns unser erster Weg ins Büro der Fährgesellschaft führt. Die nächste Fähre nach Mazatlan geht morgen Abend, das ist uns eigentlich zu früh, denn es gäbe südlich von La Paz noch einiges anzusehen. Da die übernächste Fähre aber erst am Dienstag Abend ausläuft, entscheiden wir uns doch für die morgige. Die Überfahrt scheint nicht teuer zu sein, 1.900 Pesos (100 Euro) pro Person, 5.145 Pesos (270 Euro) für Fahrzeuge bis sechs Meter und fakultativ 1.820 Pesos (95 Euro) für eine Kabine. Leider hat die Sache einen Haken: Der Zerberus gilt trotz seiner Länge von nur sechs Metern als Wohnmobil und kostet 15.520 Pesos (817 Euro) (!), das Dreifache als ein Nicht-Wohnmobil gleicher Länge! Da lässt sich auch nicht rütteln dran oder verhandeln, denn die Fährgesellschaft muss das TIP kontrollieren und da steht ja schließlich drauf, dass es sich um ein Wohnmobil handelt. Wir übernachten auf einem großen Campingplatz in der Nähe des Flughafens. Km 440/3.009/161.965.

Samstag, 28. Jänner 23, Tag 14/728: Todos Santos

Wir machen einen Ausflug nach Todos Santos, das bei uns Allerheiligen heißen würde und das unser Reiseführer als den schönsten Ort auf der Baja California preist, was für uns aber nicht nachvollziehbar ist. Es gibt einen Platz, eine Kirche, ein paar hübsche Häuser, Läden und Lokale, von denen die meisten am Vormittag noch zu haben. Aus. Wir verbringen zwei Stunden am Strand San Pedrito, wo etliche Surfer in Neoprenanzügen im Wasser auf die beste Welle warten, und fahren dann zurück nach La Paz, wir wollen ja noch eine Stadtrundfahrt machen. Sehr nett ist es an der von Palmen bestandenen Uferpromenade, die mit allerlei Skulpturen aufwartet. Die Verschiffung im 20 Kilometer auswärts gelegenen Hafen Pichilingue ist sehr chaotisch. Zunächst ist die Hafeneinfahrt nicht angeschrieben, wir sind aber gut vorbereitet und haben Koordinaten. Obwohl hüben wie drüben Mexiko ist, gibt es eine Zollkontrolle. Unser Wohnmobil wird nur oberflächlich inspiziert, aber andere müssen ihr Gepäck ausladen und die Zöllner wühlen in den Koffern herum. Dann füllt einer einen Laufzettel aus, das Fahrzeug wird vermessen und gewogen, wir müssen für irgendwas 210 Pesos (11 Euro) bezahlen, der Laufzettel wird eingesammelt, ein neuer wird ausgestellt, wir müssen vor der Fähre zwischen Lastern einparken, dann ist's schon zum Reinfahren, aber dann doch nicht, weil unser Ticket keinen Strichcode aufweist, wir müssen zurück zum Ticketschalter neben der Waage, dort warten schon viele, doch das sind eher Lkw-Fahrer, ich frage herum und höre, dass das das falsche Ticketbüro ist, im Hafengebäude gibt's noch eines. Dort bekomme ich dann Tickets mit Strichcode. Susi muss zu Fuß auf die Fähre, ich fahre den Zerberus rein. Vor der Rolltreppe wird mein Handgepäck kontrolliert und es wird gemurrt, weil ich Obst mithabe. Ich treffe Susi an der Rezeption und wir beziehen die Kabine. Als wir abfahren, ist es bereits dunkel. Km 205/3.214/162.170.

 

1 Temporary Import Permit
2 Euro sind in vielen Ländern Amerikas so gut wie wertlos. Sie zu wechseln ist schwierig und falls sie gewechselt werden, zu einem sehr ungünstigen Kurs. 
3 Anmerkung vom 9.2.23: Die Versicherung hat sich bis heute in keiner Form gemeldet. Wir hatten ohnehin nicht ernsthaft damit gerechnet, wenigstens ein paar hundert Dollar für den Schaden zu bekommen.

 

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